Ratgeber

Aortenaneurysma-Screening: Ultraschall der Bauchschlagader für Männer ab 65

Gesetzlich versicherte Männer ab 65 haben einmal Anspruch auf einen Ultraschall der Bauchschlagader, um eine gefährliche Aussackung (Aneurysma) zu finden, bevor sie reißt. Von 1.000 untersuchten Männern bewahrt das Screening über 13 Jahre etwa 3 vor dem Tod durch einen Riss. Etwa die Hälfte der gefundenen Aneurysmen wäre aber nie gefährlich geworden, und Frauen wird die Untersuchung nicht angeboten.

Beim Aortenaneurysma-Screening misst eine Ärztin oder ein Arzt mit Ultraschall den Durchmesser der Bauchschlagader. Gesetzlich versicherte Männer ab 65 haben einmal im Leben Anspruch darauf [1]. Die Untersuchung soll große Aussackungen der Schlagader finden, bevor sie reißen, damit sie vorbeugend operiert werden können [2]. Hier erfährst du, wie das Screening abläuft, was die Ergebnisse bedeuten und welche Vor- und Nachteile der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in seiner Versicherteninformation nennt. Die Teilnahme ist freiwillig.

Was ein Bauchaortenaneurysma ist

Die Bauchaorta ist das größte Blutgefäß in der Bauchhöhle. Manchmal dehnt sie sich an einer Stelle und bildet eine Ausbuchtung. Ist diese 3 Zentimeter oder größer, spricht man von einem Aneurysma. Die meisten Aneurysmen machen keinerlei Beschwerden und bleiben deshalb unbemerkt [2]. Mit zunehmendem Alter kann das Gewebe der Aorta weniger stabil werden, an der ausgebuchteten Stelle ist die Gefäßwand schwächer [5].

Etwa 2 von 100 Männern zwischen 65 und 75 Jahren haben ein Bauchaortenaneurysma, mit dem Alter werden es mehr. Bei Frauen ab 60 ist es weniger als 1 von 100 [7]. Als Risikofaktoren nennt das IQWiG das männliche Geschlecht, das Alter, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Lungenkrankheit COPD, erhöhte Blutfette und eine erbliche Veranlagung, etwa Aneurysmen bei nahen Verwandten. Der wichtigste Faktor, den du selbst beeinflussen kannst, ist das Rauchen [7].

Reißt ein Aneurysma, fließt viel Blut in den Bauchraum. Das ist ein lebensbedrohlicher Notfall [2]. Das passiert selten und hängt vor allem von der Größe ab: Ist die Ausbuchtung kleiner als 5,5 Zentimeter, reißt sie nach groben Schätzungen bei weniger als 1 von 100 Betroffenen innerhalb eines Jahres [5]. Bei Männern steigt das Risiko ab 5,5 Zentimetern deutlich [7]. Eine Rolle spielen außerdem, wie schnell das Aneurysma wächst, ob jemand raucht und ob Eltern oder Geschwister schon einen Riss hatten [5].

Anspruch und Ablauf

Seit 07.03.2020 ist das Screening in der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des G-BA geregelt, die auch den Check-up umfasst. Danach haben männliche Versicherte ab dem vollendeten 65. Lebensjahr einmalig Anspruch auf die Untersuchung [1, 3]. Eine Altersobergrenze gibt es nicht: Ob und in welchem Alter du teilnimmst, kannst du selbst entscheiden [1, 2].

Ärztin macht in einem hellen Raum einen Ultraschall am Bauch eines Mannes Ende sechzig
Bild: KI-generiert

Vor der Untersuchung steht ein Aufklärungsgespräch, bei dem du die Versicherteninformation des G-BA bekommst [1]. Dieses Gespräch kann auch beim Check-up stattfinden. Untersuchen dürfen Hausärztinnen und Hausärzte sowie Fachärztinnen und Fachärzte für Urologie, Innere Medizin, Chirurgie und Radiologie, wenn sie eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung für diesen Ultraschall haben [4]. Die Ärztin oder der Arzt setzt den Schallkopf auf den Bauch und misst die Aorta an ihrer weitesten Stelle unterhalb der Nierenarterien. Als auffällig gilt das Ergebnis ab einem Durchmesser von 2,5 Zentimetern. Alle weiteren Kontrollen und Untersuchungen laufen danach als normale Krankenbehandlung über die Kasse [1]. Die Untersuchung selbst hat keine Komplikationen [5].

Was bei der Untersuchung herauskommen kann

Die Versicherteninformation beschreibt, womit 1.000 Männer ab 65 rechnen können, die sich untersuchen lassen [2]:

ErgebnisDurchmesserVon 1.000 MännernWie es weitergehtBeleg
kein Aneurysmaunter 3 cmetwa 980unauffällig; mit Risikofaktoren kann eine spätere Kontrolle ab 2,5 cm sinnvoll sein[2]
kleines bis mittleres Aneurysma3 bis 5,4 cmetwa 18regelmäßige Kontrollen mit Ultraschall, eventuell später ein Eingriff[2]
großes Aneurysmaab 5,5 cmetwa 2meist wird eine Operation empfohlen[2]

Auch eine Ausbuchtung unter 3 Zentimetern kann sich später zu einem Aneurysma entwickeln, vor allem bei Männern, die rauchen, Bluthochdruck haben oder ein Aneurysma in der Familie. Bei ihnen kann eine spätere Kontrolle schon ab 2,5 Zentimetern sinnvoll sein [2]. Selbst nach einem unauffälligen Ergebnis kann sich in seltenen Fällen irgendwann eine Ausbuchtung bilden. Bei wem das passiert, lässt sich nicht vorhersagen [5].

Was das Screening bringt

Studien haben untersucht, wie viele Risse und Todesfälle sich vermeiden lassen, wenn ein Aneurysma früh entdeckt wird. Für die 13 Jahre nach der Untersuchung schätzt der G-BA: Von 1.000 Männern ab 65 ohne Früherkennung reißt bei etwa 7 ein Aneurysma, etwa 6 sterben daran. Mit Früherkennung reißt es bei etwa 4, und etwa 3 sterben. Etwa 3 von 1.000 Männern bewahrt das Screening also vor einem Riss und vor dem Tod durch ein Aneurysma [2]. Die Patienteninformation von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung hält für Männer ab 65 für belegt, dass Früherkennung mit anschließendem Eingriff Risse, Notfallbehandlungen und Todesfälle vermeiden kann [5].

Welche Nachteile es gibt

Das Screening findet auch Aneurysmen, die nie aufgefallen wären und nie Probleme gemacht hätten. Harmlose und gefährliche lassen sich nicht sicher unterscheiden. Nach Schätzungen bleibt etwa die Hälfte der entdeckten Aneurysmen harmlos, vor allem die kleinen. Von 1.000 Teilnehmern erfahren also etwa 20 von einem Aneurysma, bei etwa 10 von ihnen hätte es keine Probleme bereitet [2, 6].

Dieses Wissen kann das Leben verändern. Manche Männer sind froh über die Diagnose, weil die Kontrollen ihnen Sicherheit geben. Andere hätten im Nachhinein lieber nichts davon gewusst. Viele leben fortan mit dem Gefühl, gefährdet zu sein, Bauchschmerzen machen ihnen Angst, und aus Sorge vor einem Riss meiden manche körperliche Belastungen [2]. Die Patienteninformation rät deshalb davon ab, sich nur untersuchen zu lassen, um "beruhigt" zu sein. Sie empfiehlt, vorher zu überlegen, ob du zu einer vorbeugenden Operation bereit wärst, wenn ein großes Aneurysma gefunden wird. Wenn nicht, hast du von der Früherkennung keinen Nutzen [5].

Auch die Operation selbst hat Risiken. Entweder wird das Aneurysma über einen Bauchschnitt durch ein künstliches Gefäßstück ersetzt, oder ein Röhrchen (Stent) wird über einen kleinen Schnitt in der Leiste mit einem Katheter eingesetzt. Beide Eingriffe können Leben retten, aber auch zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenentzündung oder Infektionen führen [2, 6]. Etwa 1 bis 4 von 100 Operierten sterben an den Folgen. Dabei spielen Alter, Begleiterkrankungen, die Operationstechnik und die Erfahrung des Teams eine Rolle. Bis man sich ganz erholt hat, können Wochen bis Monate vergehen [5]. Ob ein Eingriff gerechtfertigt ist, wird deshalb für jeden Mann einzeln beurteilt, auch nach seinem Gesundheitszustand und danach, wie er selbst die Vor- und Nachteile einschätzt [2].

Warum Frauen das Screening nicht bekommen

Frauen wird der Ultraschall der Bauchschlagader nicht als Früherkennung angeboten. Der Hauptgrund ist, dass Aneurysmen bei ihnen deutlich seltener sind. Außerdem wird das Risiko für Komplikationen durch eine vorbeugende Operation bei Frauen höher eingeschätzt als ihr Risiko für einen Riss. Die einzige aussagekräftige Studie mit Frauen fand keinen Vorteil [6]. Die Aorta von Frauen ist schmaler, und ihr Risiko für einen Riss steigt schon ab etwa 5 Zentimetern deutlich [7]. Hast du Beschwerden oder Verwandte mit einem Aneurysma, kannst du das unabhängig vom Screening in deiner Praxis ansprechen. Nahe Verwandte mit einem Aneurysma erhöhen laut IQWiG das eigene Risiko [7].

Wenn ein Aneurysma gefunden wird

Kleinere Aneurysmen, bei Männern unter 5,5 und bei Frauen unter etwa 5 Zentimetern, werden meist regelmäßig mit Ultraschall kontrolliert. Wer raucht, bekommt den Rat, damit aufzuhören. Bluthochdruck und erhöhte Blutfette werden behandelt, mit Änderungen im Alltag und wirksamen Medikamenten [7]. Nach einer Operation sind regelmäßige Nachkontrollen ratsam [5].

Ob eine Ausbuchtung entsteht oder reißt, hängt auch vom Lebensstil und von Begleiterkrankungen ab. Wer nicht raucht und auf seinen Blutdruck achtet, hat laut Patienteninformation ein geringeres Risiko, an einem gerissenen Aneurysma zu sterben [5]. Wie stark deine Bindung an Zigaretten ist, zeigt der Nikotin-Test. Deine Blutdruckwerte kannst du mit Blutdruck einordnen zuordnen, wie du zu Hause verlässlich misst, erklärt der Ratgeber Blutdruck richtig messen. Einen Überblick über deine Risikofaktoren für Herz und Gefäße gibt der Check Herz-Kreislauf-Vorsorge.

Wie du zu deiner Entscheidung kommst

Die Untersuchung ist nicht dringend. Du musst dich nicht sofort entscheiden und kannst dir die Zeit nehmen, die du brauchst [2, 5]. Lass dir die Vor- und Nachteile in der Praxis ausführlich erklären und frag nach, wenn dir etwas unklar ist. Das Aufklärungsgespräch können auch Ärztinnen und Ärzte führen, die den Ultraschall selbst nicht machen [4, 5]. Entscheidest du dich gegen das Screening, hat das für deinen Versicherungsschutz keine Folgen. Wird später bei einer anderen Untersuchung zufällig ein Aneurysma entdeckt, bezahlt die Krankenkasse die Behandlung wie sonst auch [2].

Ehepaar Ende sechzig sitzt nachmittags auf der Gartenterrasse und unterhält sich in Ruhe bei Kaffee
Bild: KI-generiert

Beim Abwägen helfen zwei Fragen. Wie würdest du mit dem Wissen um ein kleines Aneurysma leben, das vielleicht nie gefährlich wird und regelmäßig kontrolliert werden muss? Und wärst du bereit, ein großes Aneurysma operieren zu lassen, mit den Risiken, die ein solcher Eingriff hat?

Was ab 65 sonst noch zur Vorsorge gehört, steht auf der Seite Vorsorge ab 65.

  1. Gesetz Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie), Abschnitt B II: Ultraschallscreening auf Bauchaortenaneurysmen, Fassung vom 19.12.2019 (in Kraft 07.03.2020), zuletzt geändert am 20.11.2020 (in Kraft 12.02.2021). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 20.11.2020. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Informationen zum Ultraschall-Screening auf Aneurysmen der Bauchaorta (Versicherteninformation). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand März 2017. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Screening auf Aneurysmen der Bauchaorta. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand o. D., Beschluss 19.12.2019. abgerufen am 28.10.2026
  4. Behörde Bauchaortenaneurysma-Früherkennung. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Stand 19.03.2025. abgerufen am 28.10.2026
  5. Behörde Früherkennung bei Männern: Bauchaortenaneurysma (Gesundheitsinformation). Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag von Bundesärztekammer und KBV. Stand Dezember 2023. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde Was bringt eine Früherkennungs-Untersuchung der Bauchaorta für Männer über 65?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 15.01.2025. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Aneurysma der Bauchschlagader (Bauchaorten-Aneurysma). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 15.01.2025. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

Passt dazu

  • Ratgeber Impfungen für Erwachsene

    Impfungen für Erwachsene nach STIKO 2026: Tetanus alle zehn Jahre, Keuchhusten, Masern, ab 60 Grippe, Pneumokokken und …

  • Ratgeber Blutdruck messen

    Blutdruck messen zu Hause: Vorbereitung, Haltung, Sitz der Manschette, wie oft du misst und ab welchem Mittelwert Leitlinien …

  • Ratgeber Cholesterinwerte verstehen

    Cholesterin-Werte verstehen: was LDL, HDL, Non-HDL und Triglyceride sind, wie das IQWiG sie einordnet und warum Leitlinien …

  • Tests Check-up-Planer

    Welche Vorsorgeuntersuchung zahlt die Kasse in deinem Alter?