Ratgeber
Mammographie-Screening: Was die Untersuchung leistet und wo ihre Grenzen liegen
Beim Mammographie-Screening werden beide Brüste geröntgt, um Brustkrebs früh zu finden. Frauen von 50 bis 75 haben alle zwei Jahre Anspruch darauf, ab dem 01.08.2027 voraussichtlich auch Frauen von 45 bis 49. Von 1.000 Frauen, die 25 Jahre lang teilnehmen, werden laut Entscheidungshilfe des G-BA etwa 3 bis 8 vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt, etwa 11 bis 15 erhalten eine Überdiagnose.
Beim Mammographie-Screening werden beide Brüste geröntgt, damit Brustkrebs möglichst früh gefunden wird. Frauen zwischen 50 und 75 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf diese Untersuchung, die Krankenkasse übernimmt die Kosten [1]. Ob du teilnimmst, entscheidest du selbst. Diese Seite erklärt, wie Einladung und Untersuchung ablaufen, was ein auffälliger Befund bedeutet und welche Vor- und Nachteile die Entscheidungshilfe des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in Zahlen nennt. Stand der Angaben ist der 28.10.2026.
Wer Anspruch hat und wie du zu einem Termin kommst
Frauen von 50 bis 69 Jahren bekommen alle zwei Jahre eine schriftliche Einladung von einer Zentralen Stelle ihres Bundeslandes [2]. Seit dem 01.07.2024 dürfen auch Frauen von 70 bis 75 teilnehmen. Sie melden sich vorerst selbst bei der Zentralen Stelle an, denn bis alle in diesem Alter eingeladen werden, kann es laut Bundesgesundheitsministerium noch eine Weile dauern [2]. Ein Termin ist frühestens 22 Monate nach der letzten Früherkennungs-Mammographie möglich. Wurde deine Brust in den letzten 12 Monaten aus einem anderen Grund geröntgt, etwa zur Abklärung von Beschwerden, ist eine Screening-Mammographie in dieser Zeit nicht möglich [1]. Privat Versicherte klären die Kostenübernahme vorab mit ihrer Versicherung [1].

Am 15.10.2026 hat der G-BA beschlossen, die untere Altersgrenze von 50 auf 45 Jahre zu senken. Das Bundesgesundheitsministerium prüft den Beschluss noch. Beanstandet es ihn nicht, tritt er voraussichtlich am 01.08.2027 in Kraft. Ab dann können sich Frauen von 45 bis 49 über die Zentralen Stellen selbst anmelden, persönliche Einladungen sollen voraussichtlich ab Januar 2028 folgen [3]. Laut Krebsinformationsdienst werden in dieser Altersgruppe häufiger Tumoren übersehen, weil das Brustgewebe dichter und schwerer zu beurteilen ist [4].
| Frage | Regel | Beleg |
|---|---|---|
| Wer wird eingeladen? | Frauen von 50 bis 69 Jahren, alle zwei Jahre | [2] |
| Wer meldet sich selbst an? | Frauen von 70 bis 75 Jahren, seit 01.07.2024 | [2] |
| Was ist für 45 bis 49 geplant? | Selbstanmeldung voraussichtlich ab 01.08.2027, Einladungen voraussichtlich ab Januar 2028 | [3] |
| Wie groß ist der Mindestabstand? | 22 Monate seit der letzten Früherkennungs-Mammographie | [1] |
| Wer wertet die Bilder aus? | zwei Fachärztinnen oder Fachärzte unabhängig voneinander | [1] |
| Wann kommt das Ergebnis? | in der Regel innerhalb von sieben Werktagen per Brief | [1] |
So läuft die Untersuchung ab
Das Screening findet in eigens dafür zugelassenen Räumen einer Praxis oder Klinik statt, manchmal auch in umgebauten Fahrzeugen. Diese Einrichtungen heißen Screening-Einheiten [1]. Mitbringen solltest du deine Versichertenkarte, das Einladungsschreiben und, falls beigelegt, den ausgefüllten Fragebogen zu früheren Brusterkrankungen, Operationen oder Implantaten. Eine Überweisung brauchst du nicht [4].

Die Aufnahmen macht eine radiologische Fachkraft, eine Ärztin oder ein Arzt ist dabei meist nicht anwesend. Von jeder Brust entstehen zwei Röntgenbilder aus unterschiedlichen Richtungen. Dafür wird die Brust zwischen zwei Platten zusammengedrückt. Das kann unangenehm sein oder wehtun, schadet der Brust aber nicht. Je flacher die Brust gedrückt wird, desto weniger Strahlung ist nötig und desto aussagekräftiger wird das Bild [1].
In den Tagen danach sehen sich zwei Fachärztinnen oder Fachärzte die Aufnahmen unabhängig voneinander an. Auffällige Bilder begutachtet zusätzlich eine weitere Spezialistin oder ein weiterer Spezialist. Das Ergebnis kommt in der Regel innerhalb von sieben Werktagen per Brief [1]. Wenn du vorher Fragen hast, steht dir ein eigenes Aufklärungsgespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt des Programms zu. Den Termin dafür vereinbarst du über die Zentrale Stelle, deren Kontakt im Einladungsschreiben steht [1].
Was ein auffälliger Befund bedeutet
Die Entscheidungshilfe rechnet mit 1.000 Frauen, die in einer Woche zum Screening gehen. Etwa 970 von ihnen erhalten einen unauffälligen Befund. Etwa 30 werden zu weiteren Untersuchungen eingeladen. Bei 24 dieser 30 Frauen stellt sich heraus, dass sie keinen Brustkrebs haben, bei 6 bestätigt sich der Verdacht [1]. Die Zeit bis zum endgültigen Ergebnis erleben die meisten Frauen als sehr belastend, und die Erfahrung kann nachwirken, auch wenn sich der Verdacht nicht bestätigt [1]. Im Jahr 2023 wurden bundesweit im Schnitt 4 Prozent der untersuchten Frauen zur Abklärung wieder eingeladen [5].
Bei der Abklärung wird die Brust mit Ultraschall untersucht oder noch einmal geröntgt. Oft lässt sich ein Verdacht damit schon ausräumen. Gelingt das nicht, empfiehlt das Team eine Gewebeprobe, die unter örtlicher Betäubung mit einer Hohlnadel entnommen wird. Das Ergebnis kommt in der Regel innerhalb einer Woche. In etwa der Hälfte dieser Fälle ist es kein Brustkrebs [1]. Zur Abklärung darfst du eine Vertrauensperson mitbringen [4].
Von 6 Frauen mit Brustkrebsdiagnose haben etwa 5 einen invasiven Tumor. Bei etwa einer wird ein duktales Carcinoma in situ (DCIS) gefunden, also veränderte Zellen, die noch in den Milchgängen liegen. Ein Teil davon bleibt harmlos, ein anderer Teil wächst weiter. Weil sich das im Einzelfall nicht vorhersagen lässt, wird meist zur Behandlung geraten [1]. Laut Jahresbericht der Kooperationsgemeinschaft Mammographie waren 2023 bei den Folgeuntersuchungen im Screening 80 Prozent der entdeckten invasiven Tumoren höchstens 2 Zentimeter groß, und in 82 Prozent waren die Lymphknoten in der Achsel nicht befallen [5].
Nutzen und Schaden in Zahlen
Für die langfristige Abwägung stützt sich die Entscheidungshilfe auf mehrere Studien und betrachtet 1.000 Frauen, die 25 Jahre lang regelmäßig teilnehmen. Ohne Screening sterben von ihnen 24 an Brustkrebs, mit Screening 16 bis 21. Etwa 3 bis 8 Frauen werden also vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt [1].
| Von 1.000 Frauen | Ohne Teilnahme | Mit Teilnahme über 25 Jahre | Beleg |
|---|---|---|---|
| sterben an Brustkrebs | 24 | 16 bis 21 | [1] |
| erhalten eine Brustkrebsdiagnose | 59 bis 63 | 74 | [1] |
| davon Überdiagnosen | keine zusätzlichen | etwa 11 bis 15 | [1] |
| Brustkrebs durch die Röntgenstrahlung | keine Screening-Strahlung | weniger als 1 | [1] |
Mit Screening erhalten mehr Frauen eine Brustkrebsdiagnose. Der Unterschied von etwa 11 bis 15 Frauen sind Überdiagnosen: Tumoren, die klein sind, langsam oder gar nicht wachsen und zeitlebens keine Beschwerden gemacht hätten. Manche Frauen sterben auch an etwas anderem, bevor sich ein Tumor bemerkbar machen könnte. Weil Ärztinnen und Ärzte nicht sicher vorhersagen können, ob ein entdeckter Tumor weiterwächst, raten sie in der Regel zur Behandlung. Überdiagnosen führen deshalb zu Operationen oder Bestrahlungen, die unnötig sind [1]. Das ist etwas anderes als ein falscher Alarm, der sich bei der Abklärung als harmlos herausstellt.
Die Strahlendosis einer Mammographie ist niedrig und hat normalerweise keine Folgen. Ausgeschlossen ist aber nicht, dass regelmäßige Aufnahmen über 25 Jahre bei weniger als 1 von 1.000 Frauen zur Entstehung von Brustkrebs beitragen [1].
Wie hoch dein eigenes Ausgangsrisiko ist, hängt vor allem vom Alter ab. Von 1.000 Frauen erkranken in den nächsten zehn Jahren mit 50 etwa 25 an Brustkrebs und 4 sterben daran, mit 60 sind es 36 und 7, mit 70 sind es 34 und 10 [1]. Hatte deine Mutter oder Schwester Brustkrebs, verdoppelt sich das Risiko. Eine erkrankte entferntere Verwandte erhöht es kaum [1].
Was das Screening nicht leisten kann
Die Mammographie verhindert nicht, dass Brustkrebs entsteht, und sie findet nicht jeden Tumor. Bei etwa 2 von 1.000 untersuchten Frauen wird in den zwei Jahren bis zur nächsten Einladung Brustkrebs festgestellt. Meist ist er erst nach der letzten Untersuchung gewachsen, selten wurde er übersehen [1]. Ein unauffälliger Befund kann deshalb in falscher Sicherheit wiegen [4].
Fallen dir zwischen zwei Terminen Veränderungen auf, wende dich direkt an deine Frauenarztpraxis. Die Entscheidungshilfe nennt tastbare Knoten, Dellen oder Verhärtungen der Haut, sichtbare Verformungen, Hautveränderungen oder eine eingezogene Brustwarze sowie Blut oder andere Flüssigkeit, die aus der Brustwarze austritt [1]. Das Gesundheitsportal des Bundes nennt zusätzlich eine Rötung und Überwärmung der Brust, die über längere Zeit erhalten bleibt und auf Antibiotika nicht anspricht [7].
Ultraschall, MRT und Abtasten
Manchen Frauen werden in Praxen ein Ultraschall der Brust oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) zur Früherkennung angeboten. Ob diese Untersuchungen das Risiko senken, an Brustkrebs zu sterben, ist unklar. Sie können häufiger als die Mammographie zu Überdiagnosen und zu harmlosen auffälligen Befunden führen [1]. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund hat beide 2025 mit "unklar" bewertet, weil aussagekräftige Studien zu Nutzen und Schaden fehlen. Als Selbstzahlerleistung kostet ein Ultraschall in der Regel 26 bis 60 Euro, eine MRT 230 bis 600 Euro, teilweise auch deutlich mehr [6]. Hast du einen auffälligen Befund, übernimmt die Kasse die Abklärung oft, auch mit Ultraschall [4]. Worauf du bei solchen Angeboten achten kannst, beschreibt der Ratgeber IGeL-Leistungen.
Ab 30 tastet die Frauenärztin oder der Frauenarzt einmal im Jahr die Brust ab. Dass das die Sterblichkeit senkt, ist laut Krebsinformationsdienst nicht belegt, Fachleute empfehlen es trotzdem [4]. Für Frauen mit hohem erblichem Risiko, etwa durch eine Genveränderung, oder nach einer Bestrahlung des Brustkorbs in der Jugend gibt es eine intensivierte Früherkennung in spezialisierten Zentren des Deutschen Konsortiums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs. Je nach Risiko gehören dazu Ultraschall, Mammographie oder MRT [4]. Welche Untersuchungen dir in welchem Alter zustehen, steht auf der Seite Vorsorge für Frauen.
Deine Entscheidung
Frauen gewichten die Vor- und Nachteile unterschiedlich. Für manche überwiegt die Aussicht, vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt zu werden, andere wiegen Überdiagnosen und falschen Alarm schwerer [1]. Die Entscheidungshilfe schlägt vor, jede Aussage für sich einzuordnen: Spricht sie für dich dafür, dagegen oder spielt sie keine Rolle? Du kannst dich auch nur für die nächste Runde entscheiden und in zwei Jahren neu überlegen [1]. Nimmst du nicht teil, hat das für deine Versicherung keine Folgen, und weitere Einladungen kannst du ablehnen [1]. Was Früherkennung grundsätzlich leisten kann, erklärt der Ratgeber Was ein Screening kann und was nicht.

Unabhängig vom Screening kannst du einige Risikofaktoren selbst beeinflussen. Das Gesundheitsportal des Bundes rät, möglichst wenig Alkohol zu trinken, Über- und Untergewicht zu vermeiden, sich viel zu bewegen und nicht zu rauchen [7]. Wie viel Alkohol als riskant gilt, erklärt der Ratgeber Alkohol: Ab wann ist es zu viel? Wo du bei Lebensstil und Früherkennung insgesamt stehst, zeigt der Krebsvorsorge-Check.
- Behörde Mammographie-Screening: Eine Entscheidungshilfe (Anlage IVb der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 12.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Krebsfrüherkennung: Früherkennungsuntersuchungen, die von den gesetzlichen Kassen erstattet werden. Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Stand 03.09.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Mammographie-Screening künftig auch für Frauen von 45 bis 49 Jahren (Pressemitteilung). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 15.10.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Brustkrebs: Früherkennung durch Abtasten und Mammographie. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum. Stand 08.04.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Jahresbericht Evaluation 2023: Deutsches Mammographie-Screening-Programm. Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Stand 12.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde IGeL-Monitor bewertet Ultraschall und MRT zur Früherkennung von Brustkrebs mit "unklar" (Pressemitteilung). Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. Stand 26.06.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Brustkrebs. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit. Stand 30.07.2026. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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