Ratgeber

Cholesterinwerte verstehen: Was LDL, HDL und Gesamtcholesterin bedeuten

Für das Herz-Kreislauf-Risiko zählt vor allem das LDL-Cholesterin. Das IQWiG ordnet ein LDL unter 100 mg/dl als optimal und ab 160 mg/dl als deutlich erhöht ein, ein Gesamtcholesterin unter 200 mg/dl als optimal. Welcher Wert für dich passt, hängt von deinem gesamten Herz-Kreislauf-Risiko ab und wird in der Praxis besprochen.

Cholesterinwerte stehen in fast jedem Laborbefund vom Check-up, aber die Zahlen allein sagen wenig. Ob ein LDL von 140 mg/dl ein Problem ist, hängt davon ab, wie alt du bist, ob du rauchst, wie hoch dein Blutdruck ist und ob es in deiner Familie früh Herzinfarkte gab. Diese Seite erklärt, was die einzelnen Werte bedeuten, wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sie einordnet und wie sich die Leitlinien bei Zielwerten unterscheiden. Ob du einen Wert behandeln lässt, entscheidest du mit deiner Praxis.

Was die Werte im Befund bedeuten

Cholesterin ist ein Baustoff, den alle Gewebe des Körpers brauchen. Im Blut wird es in kleinen Paketen transportiert [1]. Im Befund tauchen deshalb mehrere Werte auf.

Arzt in den Fünfzigern erklärt einer Frau in den Fünfzigern im Sprechzimmer ihre Befunde
Bild: KI-generiert

Das LDL-Cholesterin bringt Cholesterin von der Leber in den Körper. Ist zu viel davon im Blut, kann es sich in den Gefäßwänden ablagern. Ein hoher LDL-Wert erhöht deshalb das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen [1]. Das HDL-Cholesterin nimmt überschüssiges Cholesterin auf und bringt es zur Leber zurück. Früher galt ein hoher HDL-Wert als Schutz. Neuere Studien haben das nach dem IQWiG nicht bestätigt [1].

Das Non-HDL-Cholesterin ist das Gesamtcholesterin minus HDL. Es gilt nach dem IQWiG als bester einzelner Vorhersagewert für Herz und Gefäße. Die Triglyceride sind Blutfette, die das Risiko ebenfalls beeinflussen können, bei der Risikobestimmung aber eine untergeordnete Rolle spielen [1]. Das Lipidprofil beim Check-up umfasst Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceride [5].

Wie das IQWiG die Werte einordnet

Das IQWiG nennt auf seinem Portal gesundheitsinformation.de diese Bereiche. Die Werte stehen in Milligramm pro Deziliter (mg/dl), in Klammern in Millimol pro Liter (mmol/l), weil Labore beide Einheiten nutzen [1].

WertBereichEinordnungBeleg
Gesamtcholesterinunter 200 (5,2)optimal[1]
Gesamtcholesterin200 bis 239 (5,2 bis 6,2)leicht erhöht[1]
Gesamtcholesterinab 240 (über 6,2)deutlich erhöht[1]
LDL-Cholesterinunter 100 (2,6)optimal[1]
LDL-Cholesterin100 bis 129 (2,6 bis 3,4)minimal erhöht[1]
LDL-Cholesterin130 bis 159 (3,4 bis 4,1)leicht erhöht[1]
LDL-Cholesterin160 bis 189 (4,1 bis 4,9)deutlich erhöht[1]
LDL-Cholesterinab 190 (über 4,9)stark erhöht[1]
HDL-Cholesterinunter 40 (1,0)ungünstig[1]

Das IQWiG betont, dass es keinen Wert gibt, ab dem das Risiko plötzlich steigt. Je höher LDL oder Gesamtcholesterin, desto höher das Risiko. Fachgesellschaften nutzen unterschiedliche Grenzen, manche halten schon ein LDL ab 116 mg/dl (3 mmol/l) für zu hoch [1]. Lange erhöhte Werte, auch schon in jungen Jahren, erhöhen das Risiko zusätzlich [1].

Warum es kein einheitliches Ziel gibt

Ein erhöhter Cholesterinwert ist ein Risikofaktor und keine Krankheit [1]. Ob er behandelt wird, hängt nach allen Leitlinien vom gesamten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ab. Dazu zählen nach dem IQWiG auch Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, das Alter und das männliche Geschlecht. Erhöht ist das Risiko außerdem, wenn Vater oder Bruder vor dem 55. Geburtstag einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten oder Mutter oder Schwester vor dem 65. [1]. Das persönliche Risiko lässt sich mit Risikorechnern abschätzen, am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt [1].

Wie man daraus Entscheidungen ableitet, sehen die Fachgesellschaften unterschiedlich. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft (EAS) nennen in ihrer Leitlinie von 2019 Zielwerte für das LDL je nach Risikogruppe [2]. In ihrer Aktualisierung vom 31.08.2025 haben sie diese Ziele unverändert gelassen [3].

Risikogruppe nach ESC/EASLDL-Ziel laut LeitlinieBeleg
sehr hohes Risikounter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) und Senkung um mindestens 50 Prozent[2, 3]
hohes Risikounter 70 mg/dl (1,8 mmol/l) und Senkung um mindestens 50 Prozent[2, 3]
mittleres Risikounter 100 mg/dl (2,6 mmol/l)[2, 3]
niedriges Risikounter 116 mg/dl (3,0 mmol/l)[2, 3]

In welche Gruppe jemand gehört, legt die Leitlinie anhand des geschätzten Zehn-Jahres-Risikos fest. Menschen mit einer bereits bekannten Gefäßerkrankung, mit Diabetes, mit chronischer Nierenerkrankung oder sehr stark ausgeprägten einzelnen Risikofaktoren haben nach der ESC/EAS-Leitlinie meist ein hohes oder sehr hohes Risiko. Für sie braucht es keinen Risikorechner [2]. Für die Schätzung bei allen anderen von 40 bis 89 Jahren empfiehlt die Aktualisierung von 2025 die Rechner SCORE2 und SCORE2-OP [3]. Die Zielwerte sind Vorgaben für Ärztinnen und Ärzte bei der Behandlung. Welcher davon für dich gilt, lässt sich nur in der Praxis mit deinen Werten klären.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) geht in ihrer Leitlinie zur hausärztlichen Risikoberatung von 2025 einen anderen Weg. Sie empfiehlt eine Statinbehandlung, wenn das absolute Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse in zehn Jahren bei 20 Prozent oder mehr liegt, bei Menschen bis 75 Jahren. Bei 10 bis unter 20 Prozent und deutlich erhöhtem altersbezogenem Risiko sollte sie empfohlen werden. Eine Statinbehandlung sollte nach dieser Leitlinie als Fixdosistherapie in moderater Dosierung empfohlen werden [4]. Mehrere Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die Deutsche Hochdruckliga, stimmen diesen Empfehlungen nicht zu [4]. Für dich heißt das: Unterschiedliche Praxen können denselben Befund unterschiedlich bewerten. Frag nach, nach welcher Leitlinie dein Wert eingeordnet wird.

Lipoprotein(a): ein Wert, über den gestritten wird

Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein weiterer Blutfettwert, der im Standard-Lipidprofil nicht enthalten ist [5]. Die ESC/EAS-Leitlinie von 2019 rät, den Wert mindestens einmal im Leben zu bestimmen, um Menschen mit einem sehr hohen Wert ab 180 mg/dl (430 nmol/l) zu finden [2]. Nach der Aktualisierung von 2025 kann ein Wert über 50 mg/dl (105 nmol/l) helfen, das Risiko genauer einzuschätzen, vor allem bei mittlerem Risiko oder knapp an einer Behandlungsgrenze [3]. Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt dagegen, Lp(a) nicht routinemäßig zusätzlich zu den klassischen Risikofaktoren zu bestimmen; auch hier tragen mehrere Fachgesellschaften die Empfehlung nicht mit [4]. Ob eine Messung bei dir sinnvoll ist, kannst du in der Praxis ansprechen.

Wie die Werte gemessen werden

Die Werte stammen aus einer Blutprobe, die im Labor untersucht wird [1]. Ab 35 Jahren zahlt die gesetzliche Krankenkasse alle drei Jahre einen Check-up mit Blutuntersuchung. Zwischen 18 und 34 Jahren gibt es den Check-up einmal, Blut wird dann nur bei einem entsprechenden Risikoprofil untersucht, zum Beispiel bei Erkrankungen in der Familie, Adipositas oder Bluthochdruck [5, 6]. Was beim Check-up sonst geprüft wird, beschreibt der Ratgeber Check-up 35.

Für die Cholesterinwerte musst du nicht unbedingt nüchtern sein. Nach der ESC/EAS-Leitlinie haben Proben ohne vorheriges Fasten bei der allgemeinen Risikoabschätzung mindestens denselben Aussagewert. Bei Diabetes, metabolischem Syndrom oder hohen Triglyceriden ist ein berechnetes LDL aber vorsichtig zu bewerten [2]. Beim Check-up bestimmt die Praxis zusätzlich den Nüchtern-Blutzucker [5]. Frag deshalb vorher nach, ob du zur Blutabnahme nüchtern kommen sollst.

Ursachen und erbliche Formen

Meist hängt ein erhöhter Wert mit der Lebensweise zusammen: viele gesättigte Fettsäuren und Transfette, wenig Bewegung, starkes Übergewicht. Bei Frauen kann das LDL nach den Wechseljahren leicht steigen. Auch Diabetes, Rheuma, eine Schilddrüsenunterfunktion sowie Nieren- und Lebererkrankungen kommen als Ursache in Frage, ebenso Kortisonpräparate und HIV-Medikamente [1]. Die DEGAM rät, solche Ursachen zu bedenken, bevor eine Behandlung beginnt [4].

Bruder und Schwester in den Vierzigern essen mit ihrer Mutter in den Siebzigern im Garten zu Mittag
Bild: KI-generiert

Etwa 0,3 Prozent aller Menschen haben eine familiäre Hypercholesterinämie. Bei ihr stört ein verändertes Gen den LDL-Stoffwechsel, die Werte sind von Kindheit an hoch und erhöhen unbehandelt das Herz-Kreislauf-Risiko deutlich [1]. Manchmal zeigen sich gelbliche Erhebungen an der Achillessehne oder über den Augenlidern, Schwellungen an den Sehnen der Hand oder ein heller Ring am Rand der Iris. Viele Betroffene haben aber keine Anzeichen [1]. Erfüllen Erwachsene festgelegte Kriterien für eine mögliche familiäre Hypercholesterinämie, sollten sie nach der DEGAM-Leitlinie zur Abklärung an eine spezialisierte Stelle überwiesen werden [4].

Was die Werte senkt und wer über eine Behandlung entscheidet

Die Lebensweise ist der erste Ansatzpunkt. Das IQWiG nennt den Rauchstopp, wenig gesättigte Fette und Transfette, ausreichend Bewegung, Abnehmen bei starkem Übergewicht und bei Bluthochdruck salzarmes Essen [1]. Die DEGAM empfiehlt allen Erwachsenen unabhängig vom Risiko regelmäßige Bewegung und rät zu einer Ernährung, die sich an der Mittelmeerküche orientiert; bei der Bewegung nennt sie in der Woche mindestens 150 Minuten mit mittlerer oder 75 Minuten mit hoher Intensität [4]. Was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung allgemein empfiehlt, erklärt der Ratgeber Die Ernährungsempfehlungen der DGE erklärt.

Mann in den Fünfzigern brät in einer hellen Küche Lachs mit grünem Gemüse in der Pfanne
Bild: KI-generiert

Unter den Medikamenten sind Statine am besten untersucht. Sie können das Herz-Kreislauf-Risiko nachweislich senken und die Lebenserwartung verlängern, die meisten Menschen vertragen sie gut. Je mehr Risikofaktoren jemand hat, desto eher profitiert er davon [1]. Nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall und bei familiärer Hypercholesterinämie wird eine Statinbehandlung empfohlen [1]. Muskelschmerzen unter Statinen gehen nach der DEGAM-Leitlinie meist nicht auf das Medikament zurück. Treten sie auf, soll gemeinsam mit der Praxis ein Auslassversuch, ein Wechsel oder eine niedrigere Dosis geprüft werden [4]. Setz ein verordnetes Medikament nicht auf eigene Faust ab, sprich zuerst mit deiner Praxis.

Nahrungsergänzungsmittel haben keinen nachgewiesenen Nutzen für das Herz [1]. Auch die ESC/EAS empfiehlt in ihrer Aktualisierung von 2025 keine Präparate und Vitamine, deren Sicherheit und deutliche LDL-Senkung nicht belegt sind [3]. Für Fischölkapseln gibt es nach dem IQWiG Hinweise auf häufigeres Vorhofflimmern [1].

Welche weiteren Risikofaktoren bei dir zusammenkommen, zeigt der Herz-Kreislauf-Check. Deinen Blutdruck kannst du mit dem Rechner Blutdruck einordnen einordnen, und wie Ausdauertraining dem Herzen hilft, beschreibt der Ratgeber Training für Herz und Kreislauf.

  1. Behörde Erhöhte Cholesterinwerte. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.08.2025. abgerufen am 28.10.2026
  2. Leitlinie 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. European Heart Journal 41(1):111 bis 188. Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und Europäische Atherosklerose-Gesellschaft (EAS). Stand 31.08.2019. abgerufen am 28.10.2026
  3. Leitlinie Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Stand 31.08.2025. abgerufen am 28.10.2026
  4. Leitlinie S3-Leitlinie Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention, Kurzversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 053-024). Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand 2025. abgerufen am 28.10.2026
  5. Gesetz Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie, Fassung vom 20.11.2020, in Kraft seit 12.02.2021, Anlage Inhalte der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 12.02.2021. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde Gesundheits-Check-up. Bundesministerium für Gesundheit. Stand 08.09.2026. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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