Ratgeber
Check-up 35: Was beim Gesundheits-Check-up untersucht wird
Beim Check-up 35 fragt die Hausarztpraxis nach Vorerkrankungen und Lebensstil, untersucht dich körperlich, misst den Blutdruck und prüft den Impfstatus. Im Blut werden Blutfette und Nüchternblutzucker bestimmt, der Urin wird mit einem Teststreifen geprüft, und einmal ist ein Test auf Hepatitis B und C möglich. Ab 35 zahlt die Kasse den Check-up alle drei Jahre.
Der Check-up 35 ist die allgemeine Gesundheitsuntersuchung, die gesetzlich Versicherte ab dem 35. Geburtstag alle drei Jahre in Anspruch nehmen können. Offiziell heißt er Gesundheitsuntersuchung, die Regeln stehen in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) [1, 2]. Er soll gesundheitliche Risiken früh erfassen und häufige Krankheiten früh erkennen, vor allem Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes [2]. Dieser Ratgeber erklärt, was beim Termin passiert, was im Labor bestimmt wird, wie du dich vorbereitest und was Studien über den Nutzen solcher Untersuchungen sagen.
Wer Anspruch hat und wie oft
Den Check-up gibt es schon vor 35, dann aber nur einmal: Zwischen dem 18. und dem 35. Geburtstag hast du einmal Anspruch darauf. Ab dem 35. Geburtstag steht er dir alle drei Jahre zu [1]. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse [2]. Gezählt wird nach Kalenderjahren. Nach einem Check-up ist im Untersuchungsjahr und in den zwei folgenden Kalenderjahren kein weiterer vorgesehen [1]. Warst du im Oktober 2026 beim Check-up, kannst du ab dem 01.01.2029 wieder gehen. Wann bei dir welcher Termin fällig ist, zeigt der Check-up-Planer.

Durchführen dürfen den Check-up Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin, Internistinnen und Internisten sowie Ärztinnen und Ärzte ohne Gebietsbezeichnung [1]. In der Regel ist das deine Hausarztpraxis. Die Richtlinie sieht vor, dass der Check-up möglichst zusammen mit Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung angeboten wird [1]. Das Hautkrebs-Screening, das ab 35 alle zwei Jahre ansteht, lässt sich bei Bedarf mit dem Check-up verbinden [3].
Was beim Check-up untersucht wird
| Teil | Was gemacht wird | Ab welchem Alter | Beleg |
|---|---|---|---|
| Anamnese | Fragen zu eigenen Krankheiten, Krankheiten in der Familie und Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel und Übergewicht | ab 18 | [1, 3] |
| Körperliche Untersuchung | Untersuchung des ganzen Körpers einschließlich Blutdruck, Gewicht und Größe | ab 18 | [1, 3] |
| Impfstatus | Kontrolle des Impfpasses, bei Lücken Hinweis auf Nachimpfung | ab 18 | [1, 3] |
| Blutuntersuchung | Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride, Nüchternblutzucker | ab 35; von 18 bis 34 nur bei Risikoprofil | [1] |
| Urintest | Teststreifen auf Eiweiß, Zucker, rote und weiße Blutkörperchen und Nitrit | ab 35 | [1] |
| Test auf Hepatitis B und C | Blutuntersuchung auf beide Virusinfektionen | einmal ab 35 | [1, 3] |
| Beratung | Besprechung der Ergebnisse, bei medizinischer Notwendigkeit Präventionsempfehlung für einen Kurs | ab 18 | [1, 3] |
Am Anfang steht ein Gespräch. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Krankheiten bei dir und in deiner Familie, etwa Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Diabetes, erhöhte Blutfette, Nieren- und Lungenkrankheiten und Krebs. Bei Krebs achtet die Praxis besonders auf Brust- und Darmkrebs und das maligne Melanom in der Familie. Zu den persönlichen Risikofaktoren gehören laut Richtlinie Adipositas, Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel und dauerhafte seelische Belastungen. Gibt es Anhaltspunkte, schätzt die Praxis außerdem mit einem Risikorechner dein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein [1].
Die körperliche Untersuchung umfasst nach der Richtlinie unter anderem den Brustkorb, das Abhören von Herz, Lunge und Halsschlagadern, das Abtasten des Bauchs einschließlich der Nierengegend, die Pulse an den Füßen, Bewegungsapparat, Haut, Sinnesorgane, Nervensystem und Psyche. Gewicht, Größe und Blutdruck werden gemessen [1]. Welche Risikofaktoren für Herz und Kreislauf bei dir zusammenkommen, zeigt dir der Herz-Kreislauf-Check, und was dein Gewicht im Verhältnis zur Größe bedeutet, rechnet der BMI-Rechner aus.
Die Laborwerte: Blutfette, Blutzucker und Urin
Ab 35 gehört eine Blutentnahme fest zum Check-up. Bestimmt werden das Lipidprofil, also Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride, und der Blutzucker im nüchternen Zustand [1]. Zwischen 18 und 34 nimmt die Praxis nur Blut ab, wenn ein Risikoprofil vorliegt, zum Beispiel Krankheiten in der Familie, Adipositas oder Bluthochdruck [1]. Was erhöhte Blutfette bedeuten, erklärt der Ratgeber Cholesterinwerte verstehen.
Der Nüchternblutzucker ist einer der Werte, mit denen sich ein Diabetes feststellen lässt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zieht die Grenze bei 126 mg/dl im Blutplasma. Für die Diagnose verlangt sie allerdings zwei auffällige Ergebnisse aus zwei verschiedenen Messgrößen, zum Beispiel Nüchternblutzucker und HbA1c, ein einzelner hoher Wert reicht nicht [5]. Ein auffälliger Wert beim Check-up ist deshalb ein Anlass für weitere Untersuchungen. Wie es dann weitergeht, beschreibt der Ratgeber Diabetes früh erkennen.
Für den Urin reicht ein Teststreifen. Er zeigt Eiweiß, Zucker, rote und weiße Blutkörperchen und Nitrit an [1].Ergibt eine der Untersuchungen einen Verdacht auf eine Krankheit, soll die Praxis dafür sorgen, dass er im Rahmen der normalen Krankenbehandlung gezielt abgeklärt wird [1].
Einmal im Leben: der Test auf Hepatitis B und C
Ab 35 kannst du dich im Rahmen eines Check-ups einmal auf Hepatitis B und einmal auf Hepatitis C testen lassen [1, 3]. Ziel ist laut Richtlinie, Infektionen zu finden, damit Betroffene behandelt werden, bevor die Leber Schaden nimmt [1]. Für Hepatitis B sucht das Labor im Blut nach dem Oberflächen-Antigen des Virus (HBs-Antigen). Ist der Test positiv, wird aus derselben Blutprobe nach dem Erbgut des Virus gesucht. Bei Hepatitis C läuft es ähnlich: zuerst ein Test auf Antikörper, bei positivem Ergebnis aus derselben Probe der Nachweis des Virus-Erbguts [1]. Du musst dafür kein zweites Mal Blut abgeben. Vor dem Test informiert dich die Praxis über die Risiken, sich anzustecken [1].
Beratung und Präventionsempfehlung
Am Ende bespricht die Ärztin oder der Arzt die Ergebnisse mit dir. Die Richtlinie verlangt, dass dabei dein persönliches Risikoprofil zur Sprache kommt und dass die Praxis mit dir überlegt, was du an deinen Gewohnheiten ändern könntest. Themen sind unter anderem Rauchen, Alkohol, Ernährung, Bewegung und dauerhafte seelische Belastungen [1]. Sind Impfungen offen, soll die Praxis dich zur Nachimpfung motivieren. Außerdem soll sie dich auf die Krebsfrüherkennung hinweisen, die dir in deinem Alter zusteht [1].
Ist es medizinisch angezeigt, stellt die Praxis eine Präventionsempfehlung aus. Das ist ein Formular für einen Kurs in einem der Bereiche Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung oder Suchtmittelkonsum, das du bei deiner Krankenkasse einreichst [1, 2]. Welche Kurse anerkannt sind und unter welchen Bedingungen die Kasse sie fördert, erfährst du bei deiner Kasse; darauf weist das Formular selbst hin [1].
So bereitest du dich vor
Weil der Blutzucker nüchtern bestimmt wird, kommst du zur Blutentnahme in der Regel ohne Frühstück [1]. Die DDG nennt für den Nüchternblutzucker eine Fastenzeit von 8 bis 12 Stunden [5]. Ob du auch auf Kaffee verzichten sollst und ob Blutentnahme und Gespräch an einem Tag stattfinden, sagt dir die Praxis bei der Terminvergabe. Bring deinen Impfpass mit, denn der Impfstatus wird geprüft [1].

Hilfreich ist es, vorher aufzuschreiben, welche Krankheiten in deiner Familie vorkommen, etwa Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder Krebs, und in welchem Alter sie aufgetreten sind. Danach fragt die Praxis ausdrücklich [1]. Nimmst du Medikamente, gehört eine Liste dazu. Beschwerden, die dich gerade plagen, sprichst du ebenfalls an. Der Check-up ist eine Vorsorgeuntersuchung, doch was dabei auffällt, wird über die normale Behandlung weiter untersucht [1].
Was der Check-up bringt: die Studienlage
Wie viel allgemeine Gesundheitschecks bringen, hat ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2019 untersucht. Ausgewertet wurden 17 randomisierte Studien, 15 davon mit Ergebnissen von zusammen 251.891 Teilnehmenden. Die Gesundheitschecks hatten demnach wenig oder keinen Einfluss auf das Risiko, an irgendeiner Ursache oder an Krebs zu sterben; beides bewerten die Autoren mit hoher Vertrauenswürdigkeit. Auf die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirkten sie möglicherweise kaum oder gar nicht, die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist hier moderat. Die Autoren halten es für unwahrscheinlich, dass systematische Angebote von Gesundheitschecks einen Nutzen bringen, und weisen darauf hin, dass sie eher zu unnötigen Untersuchungen und Behandlungen führen können [6].
Der G-BA hat am 15.10.2026 ein Verfahren eingeleitet, um den Check-up zu überprüfen. Es geht unter anderem um Altersgrenzen, Zielgruppen, die Häufigkeit, die Inhalte und um die Frage, ob sich die Untersuchung künftig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ihre Risiken konzentrieren soll [2]. Ein Ergebnis steht noch aus. Bis dahin gilt die Richtlinie, die dieser Ratgeber beschreibt.
Für dich heißt das: Der Check-up ist ein freiwilliges Angebot. Er bietet die Gelegenheit, Blutdruck, Blutfette und Blutzucker messen zu lassen, den Impfpass zu prüfen und mit der Praxis über Risiken in deiner Familie zu sprechen. Ob du das alle drei Jahre nutzt, entscheidest du selbst.
Was nicht zum Check-up gehört
Manche Praxen bieten beim Check-up zusätzliche Untersuchungen an, die du selbst bezahlen müsstest, sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Beispiele sind Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke oder der Prostata und bestimmte Laborwerte aus dem Blut. Laut gesund.bund.de fehlen für den Nutzen solcher Leistungen häufig ausreichende Belege, oder sie wurden noch nicht bewertet [4]. Frag nach, was eine angebotene Untersuchung kostet, was sie zeigen soll und was ein auffälliges Ergebnis für dich bedeuten würde.
Für Männer ab 65 gibt es zusätzlich einmal einen Ultraschall der Bauchschlagader. Er ist in derselben Richtlinie geregelt wie der Check-up. Auffällig ist ein Durchmesser der Bauchaorta ab 2,5 cm, von einem Aneurysma spricht die Versicherteninformation ab 3 cm. Die Untersuchung soll große Aneurysmen finden, bevor sie reißen. Sie kann aber auch Aneurysmen entdecken, die nie Probleme gemacht hätten, und das Wissen darum kann belasten [1]. Welche weiteren Untersuchungen ab 35 dazukommen, steht auf der Seite Vorsorge ab 35.
- Gesetz Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie), Fassung vom 20.11.2020, in Kraft seit 12.02.2021. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 12.02.2021. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Gesundheitsuntersuchungen (Check-up), mit Einleitung des Beratungsverfahrens vom 15.10.2026. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand o. D., jüngster Eintrag 22.10.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Gesundheits-Check-up. Bundesministerium für Gesundheit. Stand 08.09.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Krebsfrüherkennung: Welche Untersuchungen zahlt die Krankenkasse?. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 25.03.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie Landgraf R et al.: Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2025 (DDG-Praxisempfehlung), Diabetologie und Stoffwechsel 2025; 20 (Suppl 2): S127 bis S143. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Stand Dezember 2025. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Krogsbøll LT, Jørgensen KJ, Gøtzsche PC: Allgemeine Gesundheitschecks zur Verminderung der Krankheitshäufigkeit und Sterblichkeit (deutsche Zusammenfassung des Reviews CD009009). Cochrane. Stand 30.01.2019. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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