Ratgeber
Diabetes früh erkennen: Anzeichen, Risiko und Blutwerte
Typische Anzeichen für Diabetes sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Übelkeit und Schwindel. Ein Typ-2-Diabetes kann sich aber über Jahre ohne Beschwerden entwickeln. Sicher feststellen lässt er sich nur mit Blutwerten aus der Vene, etwa dem Nüchternblutzucker ab 126 mg/dl oder dem HbA1c ab 6,5 Prozent. Für die Diagnose braucht es zwei auffällige Ergebnisse aus zwei verschiedenen Messgrößen.
Typische Diabetes-Anzeichen sind starker Durst, häufiges Wasserlassen und eine Müdigkeit, die nicht weggeht. Beim Typ-2-Diabetes kommen diese Beschwerden aber oft erst spät. Er kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass du etwas merkst, deshalb kommt die Diagnose oft unerwartet [1]. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben 9,2 Prozent der Erwachsenen in Deutschland Diabetes, davon 7,2 Prozent mit bekannter Diagnose und 2,0 Prozent, ohne es zu wissen [7]. Dieser Ratgeber zeigt, welche Anzeichen es gibt, wer ein höheres Risiko hat, mit welchen Blutwerten Diabetes festgestellt wird und welche Untersuchungen die Krankenkasse bezahlt.
Woran du einen hohen Blutzucker bemerken kannst
Bei einem unbehandelten Typ-2-Diabetes ist der Blutzucker dauerhaft erhöht. Nach Monaten oder Jahren führt das nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) irgendwann zu Beschwerden [1]:

- starkes Durstgefühl
- häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche
- Konzentrationsstörungen
- Übelkeit und Schwindel
- Erektionsstörungen
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) nennt als typische Symptome außerdem einen Gewichtsverlust [4]. Ist der Blutzucker sehr stark erhöht, kann es zu Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit kommen, dem diabetischen Koma [1, 2]. Keines dieser Anzeichen ist eindeutig. Durst und Müdigkeit haben viele Ursachen, und ein früher Typ-2-Diabetes macht häufig überhaupt keine Beschwerden [2]. Oft fällt ein erhöhter Zucker im Blut oder Urin erst bei einer Routineuntersuchung auf [2].
Typ 1 und Typ 2: unterschiedlich schnell
Etwa 90 Prozent der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes [1]. Dabei stellt die Bauchspeicheldrüse zunächst genug Insulin her, doch es wirkt an den Körperzellen nicht mehr richtig. Fachleute nennen das Insulinresistenz. Eine Zeit lang gleicht die Bauchspeicheldrüse das aus, indem sie mehr Insulin bildet, irgendwann stößt sie an ihre Grenzen und der Blutzucker steigt [1]. Weil das langsam geschieht, zeigt sich Typ 2 oft erst in der zweiten Lebenshälfte [1].
Beim Typ-1-Diabetes greift das eigene Immunsystem die Zellen der Bauchspeicheldrüse an, die Insulin bilden, bis sie kaum noch oder gar kein Insulin mehr herstellen [3]. Er beginnt meist im Kindes- und Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter. Unbehandelt verursacht er schnell Probleme: Starker Durst, häufiges Wasserlassen und eine lähmende Müdigkeit treten dann innerhalb kurzer Zeit auf [3]. Auch Erwachsene können an Typ 1 erkranken. Die DDG schreibt, dass die Diagnose bei Erwachsenen mit Diabetes zu selten gestellt wird, mit erheblichen Folgen für die Behandlung [4].
Wer ein höheres Risiko hat
Für den Typ-2-Diabetes nennt das IQWiG diese Risikofaktoren: Übergewicht und zu wenig Bewegung, Rauchen, eine ballaststoffarme, fett- und zuckerreiche Ernährung, bestimmte Medikamente, die den Zuckerstoffwechsel verschlechtern, und ein genetisch erhöhtes Risiko, das sich darin zeigt, dass die Krankheit in manchen Familien gehäuft auftritt [1]. Das Robert Koch-Institut nennt neben den Genen vor allem ein höheres Lebensalter, Adipositas, körperliche Inaktivität und Tabakkonsum. Diabetes kommt nach seinen Daten in der Gruppe mit niedriger Bildung häufiger vor als in höheren Bildungsgruppen [7].
Welche dieser Faktoren bei dir zusammenkommen, fragt der Diabetes-Risiko-Check ab. Er ersetzt keine Messung, zeigt dir aber, wo du ansetzen kannst. Ob dein Gewicht im Normalbereich liegt, rechnet der BMI-Rechner aus, und wie viel Zucker du im Alltag isst, schätzt der Zuckerkonsum-Check ein. Die DDG nennt zwei Fragebögen, mit denen sich das Risiko für Typ 2 abschätzen lässt, den FINDRISK und den Deutschen Diabetes-Risiko-Test des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung. Ein auffälliges Ergebnis darin ist für sie ein Grund, Blutwerte bestimmen zu lassen [4].
Wie Diabetes festgestellt wird
Ob du Diabetes hast, zeigt nur eine Blutuntersuchung. Die DDG nennt dafür vier Messgrößen: den Blutzucker nüchtern, einen Blutzucker zu beliebiger Tageszeit, den Wert zwei Stunden nach einem Zuckertrunk im oralen Glukosetoleranztest (oGTT) und den Langzeitwert HbA1c [4]. Der HbA1c zeigt, wie hoch der Blutzucker in den letzten 2 bis 3 Monaten im Durchschnitt war [6].

| Messgröße | Kein Diabetes | Graubereich | Diabetes | Beleg |
|---|---|---|---|---|
| Nüchternblutzucker (8 bis 12 Stunden ohne Essen) | unter 100 mg/dl | 100 bis unter 126 mg/dl | ab 126 mg/dl | [4] |
| HbA1c | unter 5,7 Prozent | 5,7 bis unter 6,5 Prozent | ab 6,5 Prozent | [4] |
| 2-Stunden-Wert im oGTT | unter 140 mg/dl | 140 bis unter 200 mg/dl | ab 200 mg/dl | [4] |
| Blutzucker zu beliebiger Zeit | ab 200 mg/dl | [4] |
Die Werte gelten für Blutplasma aus der Vene. Für die Diagnose verlangen die DDG und die Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes zwei auffällige Ergebnisse aus zwei verschiedenen Messgrößen, zum Beispiel HbA1c und Nüchternblutzucker. Widersprechen sich die Werte, soll ein dritter Wert bestimmt werden, etwa der 2-Stunden-Wert im oGTT [4]. Ein normaler Nüchternblutzucker schließt einen Diabetes nicht aus [4].
Blut aus der Fingerkuppe und die Messgeräte für zu Hause eignen sich laut DDG nicht für die Diagnose [4]. Sie helfen Menschen, deren Diabetes schon bekannt ist, ihre Werte im Alltag zu kontrollieren [6]. Auch der HbA1c hat Grenzen. Eine Blutarmut durch Eisen- oder Vitaminmangel kann ihn erhöhen, schwere Leber- oder Nierenerkrankungen können ihn senken. In der Schwangerschaft und bis etwa zwei Monate nach der Geburt ist er für die Diagnose nicht geeignet, ebenso nach Bluttransfusionen, Blutspenden oder größeren Blutverlusten [4]. Urin-Teststreifen gibt es in Praxen und Apotheken. Zucker im Urin taucht aber normalerweise erst auf, wenn der Blutzucker so hoch ist, dass er typische Beschwerden macht [1].
Prädiabetes: was der Graubereich bedeutet
Liegen deine Werte im Graubereich, sprechen Fachleute zunehmend von Prädiabetes. Dazu zählt die DDG einen Nüchternblutzucker von 100 bis unter 126 mg/dl, einen 2-Stunden-Wert von 140 bis unter 200 mg/dl und einen HbA1c von 5,7 bis 6,4 Prozent. In diesem Zustand ist das Risiko erhöht, einen Diabetes zu entwickeln; die DDG nennt etwa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen. Prädiabetes geht außerdem mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher [4]. Studien, die zeigen, dass Medikamente allein in diesem Stadium Folgeerkrankungen verhindern, fehlen bisher [4].

Mehr Bewegung, eine andere Ernährung und eine mäßige Gewichtsabnahme können die Diagnose hinauszögern. Das IQWiG beschreibt Studien mit vor allem über 45-jährigen Teilnehmenden, die ein erhöhtes Risiko hatten. Nach etwa vier Jahren bekamen ohne Lebensstil-Programm etwa 26 von 100 die Diagnose Typ-2-Diabetes, mit Programm etwa 15 von 100 [5]. Ob solche Änderungen auch Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten vorbeugen, ist laut IQWiG noch offen [5], und ob sich ein Typ-2-Diabetes damit ganz vermeiden lässt, ist unklar [1].
Was die Krankenkasse zur Früherkennung bezahlt
Die wichtigste Gelegenheit ist der Gesundheits-Check-up. Ab 35 kannst du ihn alle drei Jahre machen, dabei wird der Nüchternblutzucker im Blut bestimmt und der Urin unter anderem auf Zucker untersucht [8]. Zwischen 18 und 34 gibt es den Check-up einmal; Blut wird dann nur bei einem Risikoprofil abgenommen, zum Beispiel bei Krankheiten in der Familie, Adipositas oder Bluthochdruck [8]. Diabetes gehört ausdrücklich zu den Krankheiten, die der Check-up früh erkennen soll [8]. Was beim Termin sonst passiert, erklärt der Ratgeber Check-up 35, und wann du wieder dran bist, zeigt der Check-up-Planer.
Unabhängig vom Check-up sollen laut DDG Laborwerte bestimmt werden, wenn ein Verdacht besteht: bei typischen Beschwerden, einem auffälligen Blutzucker bei einer anderen Untersuchung, bekannten Risikofaktoren oder Erkrankungen, die häufig mit Diabetes einhergehen [4]. Diese Abklärung gehört zur normalen Behandlung in der Praxis.
In der Schwangerschaft gibt es ein eigenes Angebot. Nach den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses soll allen Schwangeren in den Schwangerschaftswochen 24+0 bis 27+6 ein Suchtest mit 50 g Zuckerlösung angeboten werden. Dafür musst du nicht nüchtern sein. Liegt der Wert eine Stunde danach bei 135 bis 200 mg/dl, folgt bald ein Test mit 75 g Zucker. Bei einem Wert über 200 mg/dl gilt der Schwangerschaftsdiabetes direkt als festgestellt [4].
Warum es sich lohnt, Diabetes früh zu kennen
Ein über Jahre zu hoher Blutzucker schädigt die Blutgefäße. Menschen mit Typ-2-Diabetes haben deshalb ein höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine. Auch die kleinen Gefäße in Augen, Nerven und Nieren können Schaden nehmen, die Sehkraft kann nachlassen. Ist das Gefühl in den Füßen gestört und sind sie schlecht durchblutet, kann aus einer kleinen Verletzung eine schwer heilende Wunde werden, der diabetische Fuß. Ein zu hoher Blutdruck verstärkt das Risiko für Herz und Gefäße [1, 2]. Wie es um deine Risikofaktoren für Herz und Kreislauf steht, zeigt der Herz-Kreislauf-Check.
Früh erkannt, reicht beim Typ-2-Diabetes manchmal schon eine Änderung des Lebensstils. Wer abnimmt und sich mehr bewegt, kann den Blutzucker senken; manche bekommen den Diabetes allein damit in den Griff, andere brauchen Tabletten oder Insulin [1, 2]. Wer mit dem Rauchen aufhört, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen [1]. Das Robert Koch-Institut hat beobachtet, dass der Anteil unerkannter Diabetesfälle in allen Bildungsgruppen gesunken ist, und wertet das als möglichen Hinweis auf eine bessere Früherkennung [7]. Ob und wie oft du deine Werte prüfen lässt, besprichst du am besten mit deiner Hausarztpraxis.
- Behörde Diabetes Typ 2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Diabetes Typ 2: Symptome und Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 05.04.2022. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Diabetes Typ 1. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 24.11.2021. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie Landgraf R et al.: Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2025 (DDG-Praxisempfehlung), Diabetologie und Stoffwechsel 2025; 20 (Suppl 2): S127 bis S143. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Stand Dezember 2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Wie kann man Typ-2-Diabetes vorbeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Wie wird der Blutzucker gemessen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Pressemitteilung: Neue Ausgabe des Journal of Health Monitoring, Zwischenbilanz zum Aufbau der nationalen Diabetes-Surveillance am RKI. Robert Koch-Institut. Stand 27.06.2019. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie), Fassung vom 20.11.2020, in Kraft seit 12.02.2021. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 12.02.2021. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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