Ratgeber
Lärm und Gehör: Ab wann ist Lärm schädlich?
Lärm ist schädlich, wenn er zu laut ist und zu lange dauert. Bei Dauerbelastung steigt das Risiko für Schwerhörigkeit etwa ab 80 bis 85 Dezibel, und kurze Knalle über 130 Dezibel können das Gehör sofort schädigen. Die WHO hält 80 Dezibel bis zu 40 Stunden pro Woche für sicher, 100 Dezibel nur noch 20 Minuten.
Ab wann ist Lärm schädlich? Für das Gehör kommt es auf zwei Dinge an: wie laut ein Geräusch ist und wie lange du ihm ausgesetzt bist. Laut gesund.bund.de steigt bei Dauerbelastung das Risiko für Schwerhörigkeit etwa ab 80 bis 85 Dezibel, und sehr laute, kurze Schallimpulse über 130 Dezibel können das Gehör schädigen [3]. Geräusche unter 80 Dezibel schaden dem Gehör nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich nicht [1]. Lärm wirkt aber auch über das Ohr hinaus, etwa auf Schlaf und Herz. Dieser Ratgeber erklärt, was im Ohr passiert, welche Grenzen bei der Arbeit gelten, wie du dein Gehör in der Freizeit schützt und auf welche Warnzeichen du achten solltest.
Wie Lärm das Innenohr schädigt
Im Innenohr sitzen Sinneszellen, die Schall aufnehmen. Fachleute nennen sie Haarzellen [3]. Laute Geräusche über längere Zeit ermüden diese Zellen. Du hörst dann vorübergehend schlechter oder hast Ohrgeräusche. Nach einem lauten Konzert zum Beispiel klingt das Hören oft gedämpft und erholt sich wieder, wenn sich die Zellen erholt haben [1].
Wiederholt sich die Belastung, können die Sinneszellen und andere Strukturen im Ohr dauerhaft geschädigt werden. Dann bleibt eine Lärmschwerhörigkeit, ein Tinnitus oder beides [1]. Beschädigte Haarzellen erholen sich nicht. Besonders hohe Töne verursachen oft Schäden an diesen Zellen [3]. Meist entsteht der Schaden langsam und unbemerkt. Ein plötzlicher, sehr lauter Knall kann aber auch sofort schaden, und schon eine einzige Belastung mit extrem lautem Schall kann das Innenohr verletzen [1]. Explodiert zum Beispiel ein Feuerwerkskörper nahe am Ohr, kann das Trommelfell reißen. Es wächst meist wieder zusammen, doch ein Schaden an den Haarzellen kann dauerhafte Hörschäden hinterlassen [3].
Lärm ist eine häufige Ursache für Tinnitus, also Ohrgeräusche wie Pfeifen, Summen oder Rauschen ohne äußeren Anlass. Etwa 5 bis 15 Prozent aller Erwachsenen haben irgendwann länger anhaltende Ohrgeräusche [4]. Weltweit sind laut WHO mehr als eine Milliarde junge Erwachsene durch unsicheres Hören dem Risiko eines dauerhaften, vermeidbaren Hörverlusts ausgesetzt [2].
Pegel und Dauer: die sicheren Hörzeiten der WHO
Ein Geräusch, das 10 Dezibel lauter ist, wird als doppelt so laut wahrgenommen [3]. Für das Gehör zählt die Schallmenge, die sich über die Zeit summiert. Die WHO gibt deshalb an, wie lange du einen Pegel pro Woche ungefähr hören kannst, ohne dein Gehör zu gefährden. Je lauter es ist, desto schneller schrumpft diese Zeit [1].
| Pegel | Beispiel der WHO | Sichere Hörzeit pro Woche | Beleg |
|---|---|---|---|
| bis 60 dB | Atmen, Flüstern, normales Gespräch | unbegrenzt | [1] |
| 80 dB | Türklingel | 40 Stunden | [1] |
| 85 dB | dichter Verkehr, im Auto gehört | 12 Stunden 30 Minuten | [1] |
| 90 dB | lautes Rufen im Gespräch | 4 Stunden | [1] |
| 95 dB | Motorrad | 1 Stunde 15 Minuten | [1] |
| 100 dB | Haartrockner | 20 Minuten | [1] |
| 110 dB | Schreien ins Ohr | 2,5 Minuten | [1] |
| 120 dB | in der Nähe einer Sirene | 12 Sekunden | [1] |
| 140 dB | startendes Flugzeug | keine | [1] |
Ein grober Test im Alltag: Musst du deine Stimme heben, damit dich jemand in einer Armlänge Abstand versteht, ist es zu laut [1]. Konzerte erreichen häufig etwa 90 bis 120 Dezibel [3]. Nach der WHO-Tabelle reicht die sichere Hörzeit pro Woche bei 90 Dezibel für 4 Stunden, bei 100 Dezibel für 20 Minuten und bei 120 Dezibel nur für 12 Sekunden [1]. Die WHO-Werte beziehen sich auf eine Woche, die Auslösewerte am Arbeitsplatz auf eine Achtstundenschicht [1, 5].
Lärm bei der Arbeit: was der Arbeitgeber tun muss
Am Arbeitsplatz regelt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, ab wann gehandelt werden muss. Sie legt zwei Auslösewerte fest. Die unteren liegen bei einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A), gemittelt über acht Stunden, oder einem Spitzenschalldruckpegel von 135 dB(C). Die oberen liegen bei 85 dB(A) oder 137 dB(C). Gehörschutz wird bei diesen Werten nicht eingerechnet [5].

Zuerst muss der Arbeitgeber den Lärm an der Quelle verhindern oder so weit wie möglich verringern. Technische Maßnahmen haben Vorrang vor organisatorischen, und beide haben Vorrang vor Gehörschutz [5]. Werden die unteren Auslösewerte trotzdem nicht eingehalten, muss er dir geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen. Der muss so gewählt sein, dass am Ohr höchstens 85 dB(A) oder 137 dB(C) ankommen. Ab den oberen Auslösewerten muss er dafür sorgen, dass der Gehörschutz auch getragen wird. Bereiche, in denen die oberen Werte überschritten werden können, muss er als Lärmbereiche kennzeichnen [5].
Ab den unteren Auslösewerten hast du Anspruch auf eine Unterweisung über die Gefahren, die Schutzmaßnahmen und den richtigen Umgang mit Gehörschutz, außerdem auf eine allgemeine arbeitsmedizinische Beratung [5]. Liegt der Pegel über den unteren Auslösewerten, muss dir der Arbeitgeber arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten. Ab den oberen Werten ist sie Pflichtvorsorge [6]. Was dir dabei zusteht, erklärt der Ratgeber Arbeitsmedizinische Vorsorge: Deine Rechte.
Wie verbreitet Lärmschäden durch die Arbeit sind, zeigt die Statistik der gesetzlichen Unfallversicherung. 2024 wurden 26.821 Berufskrankheiten anerkannt [7]. Ein Drittel davon war Lärmschwerhörigkeit [7, 8]. Besonders betroffen sind laut DGUV Beschäftigte, die mit schweren Maschinen arbeiten, etwa auf dem Bau oder in der Metall- und Holzbearbeitung [7].
Freizeit: Kopfhörer, Konzerte und Feuerwerk
Auch in der Freizeit kommt viel Lärm zusammen. Die WHO gibt dazu konkrete Hinweise. Stell die Lautstärke von Kopfhörern und Abspielgeräten auf weniger als 60 Prozent des Höchstwerts. Gut sitzende Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung helfen, weil du dann nicht gegen den Umgebungslärm anregeln musst. Gönn deinen Ohren regelmäßig Pausen, zum Beispiel 10 Minuten Ruhe nach jeder Stunde lauten Hörens [1].

Bei Konzerten, in Clubs und auf Festen rät die WHO, Abstand zu Lautsprechern zu halten und Ohrstöpsel zu tragen. Je weiter du dich von der Schallquelle entfernst, desto leiser wird es [1]. Schaumstoffstöpsel sitzen richtig, wenn du sie zusammenrollst, das Ohr nach hinten oben ziehst, den Stöpsel einsetzt und festhältst, bis er sich ausgedehnt hat. Kapselgehörschutz und angepasster Gehörschutz sind weitere Möglichkeiten [1]. Gesund.bund.de nennt außerdem Rasenmähen und Silvester als Anlässe für geprüften Gehörschutz [3].
Viele Smartphones haben eingebaute Funktionen, die anzeigen, wie laut und wie lange du hörst, und an eine niedrigere Lautstärke erinnern. Die WHO empfiehlt, solche Funktionen zu nutzen und Geräte mit eingebauten Schutzfunktionen zu wählen [1]. Wie viel Lärm deine Ohren bei der Arbeit und in der Freizeit abbekommen, kannst du mit dem Lärmbelastungs-Check einschätzen.
Lärm, der nicht taub macht: Verkehr und Schlaf
Auch Geräusche, die das Gehör nicht schädigen, können krank machen. Laut gesund.bund.de gilt dauerhafter Lärm über 60 Dezibel nach aktueller Forschung als gesundheitlich beeinträchtigend, und nachts können schon ab 45 Dezibel Schlafstörungen auftreten. Lärm kann chronischen Stress auslösen, auch im Schlaf, und das Risiko für Konzentrationsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen [3]. Das Umweltbundesamt nennt außerdem kognitive Beeinträchtigungen und einen Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen [9].
Die häufigste Quelle ist der Straßenverkehr. 75 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich in ihrem Wohnumfeld durch Straßenverkehrslärm gestört [3]. Die WHO empfiehlt in ihren Leitlinien von 2018, dass Straßenverkehrslärm ganztags 53 dB(A) und nachts 45 dB(A) nicht überschreiten sollte. Nach der Lärmkartierung 2022 waren rund um Hauptverkehrsstrecken und Großflughäfen sowie in Ballungsräumen rund 21,9 Millionen Menschen ganztags Verkehrslärm über 55 dB(A) ausgesetzt und rund 14,9 Millionen nachts Verkehrslärm über 50 dB(A). Niedrigere Schwellen erfasst die Kartierung nicht [9].
Für ruhigere Nächte nennt gesund.bund.de Ohrstöpsel als mögliche Hilfe. Im Alltag helfen Wege entlang kleinerer Straßen oder durch Parks [3].
Warnzeichen am Gehör
Ein Hörverlust durch Lärm kommt meist schleichend. Die WHO nennt einige Anzeichen: Ohrgeräusche, die nicht mehr verschwinden, Schwierigkeiten, hohe Töne wie Vogelgezwitscher, Türklingel, Telefon oder Wecker zu hören, Mühe, Sprache zu verstehen, besonders am Telefon, und Probleme, Gesprächen in lauter Umgebung zu folgen. Bemerkst du so etwas, lass dein Gehör prüfen. Anhaltende Ohrgeräusche sollten ärztlich abgeklärt werden, weil viele Erkrankungen sie verursachen können [1]. Wer viel über Kopfhörer hört, an einem lauten Arbeitsplatz arbeitet oder viel Videospiele spielt, sollte laut WHO das Gehör jedes Jahr prüfen lassen [1]. Wann ein Hörtest sinnvoll ist und wer ihn bezahlt, erklärt der Ratgeber Hörtest. Ob dir im Alltag schon etwas auffällt, fragt der Hörprobleme-Check ab.
Ungewöhnliche Ohrgeräusche nach Lärm sind ein Warnsignal. Meide dann weiteren Lärm, stell die Lautstärke leiser oder trag Gehörschutz [3]. Wer laute Orte meidet oder nur mit Ohrstöpseln aufsucht, senkt laut gesund.bund.de das Risiko für einen Tinnitus und die Wahrscheinlichkeit, dass er chronisch wird. Meistens verschwindet ein Tinnitus von selbst wieder [4].
Ein plötzlicher Hörverlust, meist auf einem Ohr, kann ein Hörsturz sein. Oft kommen Ohrgeräusche oder ein Gefühl wie Watte im Ohr dazu, manchmal Schwindel. Hält die Hörminderung an, solltest du sofort ärztlichen Rat einholen, besonders bei Schwindel. Das gilt auch, wenn du plötzlich auf beiden Ohren schlechter hörst [10].
- Behörde Deafness and hearing loss: Safe listening (Questions and answers). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 06.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Deafness and hearing loss (Fact sheet). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 03.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Lärm: Auswirkungen auf die Gesundheit. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 24.11.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Tinnitus. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 28.08.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV), zuletzt geändert durch Art. 3 V v. 21.07.2021. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand 21.07.2021. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), Anhang Teil 3, zuletzt geändert durch Art. 1 V v. 11.05.2026. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand 11.05.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Verantwortung für Gestern, Sicherheit für Morgen: Berufskrankheiten in der gesetzlichen Unfallversicherung (Daten 2024). Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Stand 11/2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Krank durch Arbeit: Es gibt Hilfe (DGUV Kompakt, Prävention 1/2026). Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Stand 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Indikator: Belastung der Bevölkerung durch Verkehrslärm. Umweltbundesamt. Stand 06.05.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Hörsturz. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 11.03.2025. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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