Ratgeber
Hörtest: Wann er sinnvoll ist, wie er abläuft und was die Kasse zahlt
Ein Hörtest ist sinnvoll, wenn du leise Töne oder hohe Töne schlechter hörst, Gespräche in lauter Umgebung kaum verstehst, anhaltende Ohrgeräusche hast oder bei der Arbeit viel Lärm ausgesetzt bist. Bei Hörproblemen zahlt die Kasse die Untersuchung in der HNO-Praxis, eine regelmäßige Hör-Früherkennung für Erwachsene ohne Beschwerden gibt es nicht. Hörst du plötzlich deutlich schlechter und bessert sich das nicht, hol dir umgehend ärztlichen Rat.
Ein Hörtest zeigt, wie gut du in verschiedenen Tonhöhen hörst und wie gut du Sprache verstehst. Für Neugeborene ist er als Screening fest vorgesehen [1]. Für Erwachsene gibt es keine Früherkennung des Hörens auf Kassenkosten, in der Übersicht des IQWiG über die Früherkennungsuntersuchungen, die die Kasse zahlt, kommt kein Hörtest vor [2]. Hast du Hörprobleme, ist die Untersuchung dagegen Teil der normalen Behandlung. Dieser Ratgeber erklärt, wann ein Hörtest sinnvoll ist, wie er abläuft und was die Ergebnisse bedeuten. Er gibt den Stand vom 28.10.2026 wieder.
Wann ein Hörtest sinnvoll ist
Schwerhörigkeit beginnt oft unauffällig. Zuerst fallen meist leise Geräusche und hohe Töne weg, manche Menschen haben vor allem in lauter Umgebung Mühe, etwa im Restaurant oder im Bus [3, 4]. Bei der Altersschwerhörigkeit lässt das Hören auf beiden Ohren etwa gleich stark und allmählich nach [3]. Je nach Ursache kommen Ohrgeräusche, Druck im Ohr oder Schwindel dazu [4]. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, auf solche Warnzeichen zu achten und sich bei anhaltendem Klingeln im Ohr an Fachleute zu wenden. Menschen, die oft Lärm ausgesetzt sind, etwa über Kopfhörer, bei der Arbeit oder beim Videospielen, empfiehlt sie außerdem, das eigene Gehör jedes Jahr zu überprüfen [5].
Erste Anlaufstelle bei Hörproblemen ist die Hausarztpraxis. Sie überweist bei Bedarf in eine HNO-Praxis [3]. Lärm bei der Arbeit ist ein eigener Anlass: Ab bestimmten Pegeln muss dir der Arbeitgeber arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten oder sie veranlassen [6]. Wie viel Lärm deine Ohren bei der Arbeit und in der Freizeit abbekommen, zeigt der Lärmbelastungs-Check. Fällt dir vor allem im Alltag auf, dass du schlechter hörst, hilft der Hörprobleme-Selbstcheck beim Einordnen.
| Anlass | Was vorgesehen ist | Wer zahlt | Beleg |
|---|---|---|---|
| Neugeborene | Hörscreening bis zum dritten Lebenstag, Kontrolle bei auffälligem Befund spätestens bis zur U2 | Kasse | [1] |
| Hörprobleme bei Erwachsenen | Hausarztpraxis, bei Bedarf Überweisung in eine HNO-Praxis | Kasse | [3] |
| Lärm bei der Arbeit über 80 dB(A) Tagespegel | Angebotsvorsorge | Arbeitgeber | [6] |
| Lärm bei der Arbeit ab 85 dB(A) Tagespegel | Pflichtvorsorge | Arbeitgeber | [6] |
| Hörgerät gewünscht | Ton- und Sprachaudiogramm in der HNO-Praxis vor der Verordnung | Kasse | [7] |
| Plötzlicher Hörverlust, der anhält | umgehend ärztlicher Rat | Kasse | [8] |
Wie ein Hörtest in der HNO-Praxis abläuft
Zuerst schaut die Ärztin oder der Arzt in die Ohren, zum Beispiel mit einer Ohrspiegelung. So lassen sich eine Entzündung oder ein Pfropfen aus Ohrenschmalz erkennen. Danach fragt sie, wann und wodurch dir die Hörprobleme aufgefallen sind und welche Beschwerden dazukommen [3, 4]. Erst dann folgen die eigentlichen Hörtests, mit denen Art und Stärke einer Hörstörung bestimmt werden [3].

Bei den subjektiven Tests machst du selbst mit. Über Kopfhörer hörst du Töne, die immer lauter werden, und meldest, sobald du sie hörst [4]. Daraus entsteht das Tonaudiogramm, eine Hörkurve für die einzelnen Tonhöhen. Beim Sprachaudiogramm sprichst du einsilbige Wörter nach, die dir in einer festgelegten Lautstärke vorgespielt werden. Die Hilfsmittel-Richtlinie nennt dafür den Freiburger Einsilbertest bei 65 Dezibel [7]. Mit einer Stimmgabel lässt sich unter anderem unterscheiden, ob eher das Mittelohr oder das Innenohr betroffen ist [4].
Objektive Tests brauchen deine Mitarbeit nicht. Dabei messen Mikrofone im Ohr die Aktivität der Sinneszellen im Innenohr, etwa als Antwort auf leise Klicktöne [4]. So funktioniert auch das Screening bei Neugeborenen [1]. Lässt sich die Ursache auf diesem Weg nicht klären, kann eine Computertomographie oder Kernspintomographie nötig sein [3, 4]. Für die Untersuchungen vor einer Hörgeräteversorgung schreibt die Richtlinie einen Raum vor, in dem der Störschall nicht mehr als 40 Dezibel beträgt [7].
Was die Ergebnisse bedeuten
Gesund.bund.de teilt Schwerhörigkeit nach dem Hörverlust in Dezibel ein. Bei einer leichten Schwerhörigkeit von 26 bis 40 Dezibel ist leises Sprechen oder Flüstern kaum zu verstehen. Bei einer mittleren von 41 bis 60 Dezibel fallen normal laute Gespräche schwer. Bei einer starken von 61 bis 80 Dezibel sind auch laute Geräusche und lautes Sprechen oft nicht mehr hörbar, darüber spricht man von sehr starker Schwerhörigkeit [3].
Die Ursachen sind verschieden. Die meisten Hörstörungen entstehen im Alter, vermutlich durch normale Alterungsprozesse, jahrelangen Lärm und Veranlagung [3, 4]. Lärm kann Trommelfell, Mittelohr und vor allem das Innenohr schädigen. Weitere Ursachen sind Ohrenschmalz, das den Gehörgang verstopft, chronische Mittelohrentzündungen, Infektionen wie eine Hirnhautentzündung, ein Hörsturz und die Otosklerose, eine Versteifung der Gehörknöchelchen [4]. Eine Mittelohrentzündung lässt sich oft behandeln, bei älteren Menschen bleibt eine Hörstörung aber in der Regel dauerhaft. Dann helfen Hörgeräte, bei sehr starker Schädigung des Innenohrs ein Cochlea-Implantat [3, 4].
Ab wann die Kasse ein Hörgerät zahlt
Die Regelversorgung sind Hörgeräte für beide Ohren. Voraussetzung ist nach der Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, dass der Hörverlust im Tonaudiogramm auf dem besseren Ohr in mindestens einer Tonhöhe zwischen 500 und 4.000 Hertz mindestens 30 Dezibel beträgt. Zusätzlich darfst du im Freiburger Einsilbertest bei 65 Dezibel mit Kopfhörern höchstens 80 Prozent der Wörter verstehen. Für ein einzelnes Hörgerät gelten dieselben Werte auf dem schlechteren Ohr [7].
Die erste Versorgung auf Kassenkosten setzt eine ärztliche Verordnung voraus, weil vorher die Ursache des Hörverlusts geklärt werden soll. Die Indikation stellt eine Fachärztin oder ein Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde mit Ton- und Sprachaudiogramm. Mit Hörgeräten sollst du im Einsilbertest bei gleicher Lautstärke mindestens 20 Prozentpunkte mehr verstehen als ohne [7]. Ein neu aufgetretener Tinnitus ist ein Grund, auch für eine Folgeversorgung wieder in die Praxis zu gehen [7]. An Hörgeräte musst du dich gewöhnen, das braucht Geduld und Übung, verbessert das Hören aber in vielen Situationen deutlich [4].
Warum gutes Hören mehr als die Ohren betrifft
Für Deutschland gibt es keine genauen Zahlen. Fachleute vermuten, dass etwa 16 bis 25 von 100 Erwachsenen Hörprobleme haben, bei Älteren ist der Anteil höher [3, 4]. Weltweit hat laut WHO mehr als ein Viertel der über 60-Jährigen eine Schwerhörigkeit, die den Alltag einschränkt [9].

Schlechtes Hören erschwert Gespräche. Betroffene fühlen sich oft eingeschränkt und isoliert und nehmen weniger am sozialen Leben teil. Schwerhörigkeit kann das Risiko für Depressionen, Unfälle und Stürze erhöhen [4]. Die WHO bringt eine unbehandelte Schwerhörigkeit außerdem mit einem höheren Risiko für Demenz und einem schnelleren geistigen Abbau in Verbindung [9]. Umgekehrt werden Menschen mit unerkannter Schwerhörigkeit manchmal für unaufmerksam oder dement gehalten [3]. Mehr über das Hören im Alter steht im Ratgeber Schwerhörigkeit im Alter.
Hörtest bei Lärm am Arbeitsplatz
Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge regelt, wann der Arbeitgeber handeln muss. Überschreitet der Lärm einen Tagespegel von 80 dB(A) oder einen Spitzenpegel von 135 dB(C), muss er dir Vorsorge anbieten. Ab 85 dB(A) oder 137 dB(C) ist sie Pflicht. Die dämmende Wirkung von Gehörschutz wird dabei nicht eingerechnet [6].
Im Mittelpunkt der Vorsorge steht ein ärztliches Gespräch mit Fragen zu deiner Gesundheit und deiner Arbeit. Untersuchungen wie ein Hörtest finden statt, soweit sie für Aufklärung und Beratung nötig sind, und du kannst sie ablehnen. Die Vorsorge ist kein Nachweis, dass du für eine Tätigkeit geeignet bist [10]. Welche Rechte du dabei hast, erklärt der Ratgeber Arbeitsmedizinische Vorsorge: Deine Rechte. Ab welchem Pegel Lärm dem Gehör schadet, beschreibt der Ratgeber Lärm und Gehör.
Hörscreening bei Neugeborenen
Seit 2009 ist das Hörscreening für Neugeborene bundesweit Teil der Kinder-Richtlinie. Es findet bis zum dritten Lebenstag statt, damit Hörstörungen früh erkannt und behandelt werden können. Gemessen werden otoakustische Emissionen, also Signale aus dem Innenohr, oder die Antwort des Hirnstamms auf Töne (Hirnstammaudiometrie) [11]. Ist eine Erstmessung der otoakustischen Emissionen auffällig, wird sie frühestens fünf Stunden später mit demselben Verfahren wiederholt, spätestens bis zur U2 zwischen dem 3. und 10. Lebenstag. Diese Regel gilt seit August 2026. Vorher war für die Kontrolle grundsätzlich eine Hirnstammaudiometrie vorgeschrieben. Der G-BA hat das geändert, um falsch positive Ergebnisse durch den Wechsel des Verfahrens zu verringern [1, 11].
Plötzlich schlechter hören: wann es eilt
Ein Hörsturz zeigt sich als plötzlicher Hörverlust, meist auf einem Ohr, oft innerhalb von Minuten oder Stunden und manchmal schon beim Aufwachen. Das Ohr kann sich wie mit Watte gefüllt anfühlen, dazu kommen Ohrgeräusche und manchmal Schwindel. Hält die Hörminderung an, solltest du umgehend ärztlichen Rat einholen, besonders bei Schwindel. Ein plötzlicher Hörverlust auf beiden Ohren ist sehr selten und ebenfalls ein Grund, umgehend ärztlichen Rat einzuholen [8].
- Behörde Änderung des Neugeborenen-Hörscreenings: Beschluss des G-BA tritt in Kraft (Praxisnachricht). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Stand 20.08.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Welche Früherkennungsuntersuchungen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.05.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 31.03.2022. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 28.08.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Deafness and hearing loss: Safe listening (Questions and answers). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 06.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), Anhang Teil 3 Nummer 1 (Lärm). Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Hilfsmittel-Richtlinie, §§ 20 bis 22 und § 27 (Hörhilfen; Fassung in Kraft seit 16.05.2025). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 20.02.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Hörsturz. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 11.03.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Deafness and hearing loss (Fact sheet). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 03.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), § 2 Begriffsbestimmungen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Neugeborenen-Hörscreening in Deutschland: Ergebnisse der Evaluationen 2011/2012 und 2017/2018. Bundesgesundheitsblatt 66(11): 1259 bis 1267. Brockow I, Söhl K, Hanauer M u. a.. Stand 16.10.2023. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
-
Ratgeber Osteoporose vorbeugen
Osteoporose vorbeugen: wie Bewegung, Kalzium, Sonne, Rauchstopp und Schutz vor Stürzen wirken und wann die Kasse eine …
-
Ratgeber Bonusprogramm der Krankenkasse
Bonusprogramm der Krankenkasse: welche Vorsorge, Impfungen und Kurse zählen, was das Gesetz regelt, welche Fristen gelten …