Ratgeber

IGeL-Leistungen: Was du selbst zahlst und worauf du achten kannst

IGeL-Leistungen sind ärztliche Angebote, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse gehören und die du deshalb in der Regel selbst bezahlst. Die Praxis muss dich vorher über Nutzen, Risiken und Kosten aufklären, einen schriftlichen Vertrag schließen und dir Bedenkzeit lassen. Ob eine Leistung etwas bringt, bewertet der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund; viele häufig verkaufte Früherkennungsuntersuchungen schneiden dort schlecht ab.

IGeL-Leistungen, ausgeschrieben Individuelle Gesundheitsleistungen, sind Untersuchungen und Behandlungen, die eine Praxis dir anbietet, die aber nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Du zahlst sie deshalb in der Regel selbst, daher auch der Name Selbstzahlerleistungen [1, 2]. Annehmen musst du keine davon [1]. Diese Seite erklärt, welche IGeL in der Vorsorge besonders oft verkauft werden, wie unabhängige Fachleute sie bewerten und welche Rechte du hast, wenn dir in der Praxis eine angeboten wird.

Was IGeL sind und warum die Kasse sie nicht zahlt

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt nur Leistungen, die ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind. Ob eine neue Untersuchung dazugehört, prüft der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) [1]. Was dort nicht aufgenommen ist, dürfen Ärztinnen, Ärzte, Zahnärztinnen, Zahnärzte und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten trotzdem anbieten, nur eben gegen eigene Bezahlung. Im Krankenhaus heißen solche Angebote Wahlleistungen [2].

Die Verbraucherzentrale unterscheidet zwei Gruppen [1]. Zur ersten gehören Leistungen, die medizinisch nicht notwendig sind, im Einzelfall aber sinnvoll sein können: Atteste, Reiseimpfungen und Reiseberatung, sportmedizinische Untersuchungen, kosmetische Eingriffe oder eine Paartherapie. Welche Formen der Psychotherapie die Kasse dagegen bezahlt, erklärt der Ratgeber Psychotherapie: Welche Verfahren zahlt die Kasse? Die zweite Gruppe sind Untersuchungen ohne begründeten Krankheitsverdacht oder mit neuen Methoden, deren Nutzen nicht ausreichend belegt ist. Hierher gehören vor allem Früherkennungsuntersuchungen wie der Ultraschall der Eierstöcke, der Ultraschall der Brust oder die Glaukom-Früherkennung [1]. Um diese zweite Gruppe geht es auf dieser Seite vor allem.

Eine verbindliche Liste aller IGeL gibt es nicht. Schätzungen gehen von mehreren hundert Angeboten aus [1]. Manche Untersuchungen sind auch nur in bestimmten Fällen IGeL: Besteht ein konkreter Verdacht, zahlt die Kasse zum Beispiel die Abklärung eines Glaukoms [7].

Wie verbreitet IGeL sind

Wie viel Geld in IGeL fließt, hat der Medizinische Dienst Bund 2024 erstmals mit einer repräsentativen Befragung ermittelt. Das Institut forsa befragte im Juli und August 2024 genau 2.013 gesetzlich Versicherte zwischen 18 und 80 Jahren [3]. Hochgerechnet geben gesetzlich Versicherte mindestens 2,4 Milliarden Euro im Jahr für IGeL aus. Die Fachleute halten den wahren Betrag für noch höher, weil Kinder, Jugendliche und Menschen über 80 nicht befragt wurden und Zahnmedizin ausgenommen war [3].

31 Prozent der Befragten hatten in den zwölf Monaten davor mindestens eine IGeL bezahlt, Frauen mit 41 Prozent fast doppelt so oft wie Männer mit 22 Prozent. Am häufigsten verkauft wurde der Ultraschall von Gebärmutter und Eierstöcken, hochgerechnet an 3,3 Millionen Frauen im Jahr. Auf Platz zwei folgte die Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung mit 2,4 Millionen Versicherten. Bei Männern lag der PSA-Test auf Prostatakrebs vorn [3]. Etwa 455 Millionen Euro entfallen auf IGeL, die zusätzlich zu einer vergleichbaren Kassenleistung gekauft wurden, etwa ein Ultraschall der Brust neben dem Mammographie-Screening oder ein Hautkrebs-Screening zwischen den vorgesehenen Terminen [3].

Die Befragung zeigt auch, mit welchen Erwartungen Versicherte in die Praxis gehen. 37 Prozent glaubten, IGeL entsprächen einem höheren medizinischen Standard als die vergleichbare Kassenleistung. Jede und jeder Fünfte befürchtete Nachteile bei anderen Behandlungen, wenn sie oder er eine IGeL ablehnt [3]. Der Bericht zählt beides zu den verbreiteten Fehlannahmen über IGeL [3].

Häufige IGeL in der Vorsorge und ihre Bewertung

Der IGeL-Monitor ist ein Angebot des Medizinischen Dienstes Bund. Ein wissenschaftliches Team wertet dort die Studienlage zu einzelnen IGeL aus und wägt Nutzen und Schaden ab [4]. Das Ergebnis lautet "positiv", "tendenziell positiv", "unklar", "tendenziell negativ" oder "negativ". "Unklar" heißt, dass es keine aussagekräftigen Studien gibt oder dass sich Nutzen und mögliche Schäden die Waage halten. "Tendenziell negativ" bedeutet, dass der Schaden den Nutzen überwiegt, "negativ", dass es keine Hinweise auf einen Nutzen, aber Belege für einen Schaden gibt [3]. Laut Verbraucherzentrale hatte der IGeL-Monitor im Juli 2025 Einschätzungen zu 68 Leistungen: 3 tendenziell positiv, 25 unklar, 27 tendenziell negativ, 4 negativ, 9 ohne Bewertung. Die Bewertung "positiv" hat bisher keine Leistung bekommen [4].

AngebotBewertung im IGeL-MonitorÜbliche Kosten laut IGeL-MonitorBeleg
Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennungnegativ (Stand 18.11.2020)25 bis 53 Euro[5]
Augenspiegelung mit Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennungtendenziell negativmeist 20 bis 40 Euro[7]
PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebstendenziell negativ (Stand 06.04.2017)etwa 25 bis 35 Euro mit Beratung[6]
Ultraschall der Brust zur Brustkrebs-Früherkennungunklar (26.06.2025)meist 26 bis 60 Euro mit Beratung[8]
MRT der Brust zur Brustkrebs-Früherkennungunklar (26.06.2025)meist 230 bis 600 Euro, teils mehr[8]
M2-PK-Stuhltest zur Darmkrebs-Früherkennungunklarmeist 30 bis 45 Euro[9]

Beim Ultraschall der Eierstöcke fand der IGeL-Monitor keine Hinweise auf einen Nutzen. In der großen britischen Studie UKCTOCS starben mit und ohne Ultraschall ungefähr gleich viele Frauen an Eierstockkrebs. Belegt sind dagegen Schäden: Falsch positive Befunde beunruhigen Frauen laut IGeL-Monitor häufig unnötig. Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass bei etwa drei von hundert Frauen gesunde Eierstöcke entfernt werden; eine Bezugsgruppe nennt der IGeL-Monitor dafür nicht. Bei drei von zwanzig solcher Operationen kommt es zu Komplikationen [5].

Bei der Glaukom-Früherkennung fand das Team keine Studien dazu, ob Augenspiegelung und Druckmessung fortgeschrittene Glaukome und Erblindungen verhindern. Fachgesellschaften empfehlen die Untersuchung trotzdem. Der Kontakt mit dem Auge kann unangenehm sein, die Augen reizen und eventuell die Hornhaut abschürfen. Indirekte Schäden sind bei einer Früherkennung grundsätzlich möglich, deshalb sieht der IGeL-Monitor Hinweise auf Schäden [7]. Mehr dazu steht im Ratgeber Vorsorge beim Augenarzt. Beim PSA-Test sieht der IGeL-Monitor Hinweise auf einen Nutzen, weil in zwei von fünf großen Studien weniger Männer an Prostatakrebs starben. Als belegt gilt der Schaden durch Fehlalarme, unnötige Gewebeproben und Behandlungen mit Folgen wie Impotenz oder Inkontinenz. Die Entscheidung überlässt der IGeL-Monitor ausdrücklich jedem Mann selbst [6]. Wie sich das in Zahlen ausdrückt, beschreibt der Ratgeber Prostata-Vorsorge.

Ultraschall und MRT der Brust finden mehr Tumoren als die Mammographie allein. Wie viele davon nie Beschwerden gemacht hätten und wie häufig Überdiagnosen und Fehlalarme auftreten, ist unklar [8]. Was das Screening für Frauen von 50 bis 75 leistet, erklärt der Ratgeber Mammographie-Screening. Vom M2-PK-Stuhltest rät die ärztliche Leitlinie zum Darmkrebs laut IGeL-Monitor deutlich ab; Studien zu Nutzen oder Schaden fand das Team nicht [9].

Es gibt auch IGeL mit besserer Bewertung. In der Befragung von 2024 wurden zwei Leistungen genannt, die der IGeL-Monitor als "tendenziell positiv" einstuft, darunter die Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne [3]. Und das Bundesgesundheitsministerium nennt Reiseimpfungen, sportmedizinische Untersuchungen oder bestimmte Atteste als Beispiele für IGeL, die sinnvoll sein können [2].

Deine Rechte, wenn dir eine IGeL angeboten wird

Weiß die Praxis, dass eine vollständige Kostenübernahme durch die Kasse nicht gesichert ist, oder gibt es dafür hinreichende Anhaltspunkte, muss sie dich vor der Behandlung in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren. Das steht in § 630c Absatz 3 des Bürgerlichen Gesetzbuchs [10]. Nach der Verbraucherzentrale muss die Ärztin oder der Arzt Nutzen und Risiken selbst und verständlich erklären; das Praxispersonal darf diese Aufklärung nicht übernehmen [11]. Vor der Behandlung muss ein schriftlicher Behandlungsvertrag geschlossen werden. Fehlt er, darfst du laut Verbraucherzentrale die Zahlung verweigern. Du kannst außerdem vorab einen Kostenvoranschlag verlangen, wobei die Endrechnung davon abweichen kann [11].

Frau in den Fünfzigern spricht am hellen Praxisempfang mit einer Mitarbeiterin, auf dem Tresen liegt ein Klemmbrett
Bild: KI-generiert

Zwischen Beratung und Behandlung soll Zeit bleiben. Das Bundesgesundheitsministerium rät, eine Entscheidung zu vertagen, wenn du unsicher bist, und dich anderswo über die Leistung zu informieren. Eine IGeL darf nur mit deiner ausdrücklichen Zustimmung durchgeführt werden, und deine weitere Behandlung darf nicht davon abhängen, ob du zustimmst [2]. Lehnst du ab, musst du kein Formular unterschreiben, das deine Ablehnung festhält oder die Praxis von der Haftung freistellt [11]. Laut Verbraucherzentrale sind anpreisende Werbung und Angstmache unzulässig. Bezeichnungen wie "Großer Körper-Check" sollen den Eindruck erwecken, die Kassenleistung reiche nicht aus [11]. Was der Check-up auf Kassenkosten enthält, steht im Ratgeber Check-up 35.

Was du vor der Entscheidung fragen kannst

Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt, bei Zweifeln direkt nach Belegen für den Nutzen in deinem Fall und nach den genauen Kosten zu fragen [2]. Bei Früherkennungsuntersuchungen hilft es, auch nach den möglichen Nachteilen zu fragen. Der Bericht zur Befragung von 2024 nennt falsch positive Ergebnisse, bei denen eine Krankheit erkannt wird, die nicht vorliegt, falsch negative Ergebnisse, die eine Krankheit übersehen, und Überdiagnosen, also Befunde, die ohne Behandlung nie Beschwerden gemacht hätten [3]. Konkret kannst du zum Beispiel fragen: Gibt es Studien, dass die Untersuchung Menschen wie mir nützt? Was passiert, wenn der Befund auffällig ist, und was kosten die weiteren Schritte? Gibt es eine vergleichbare Untersuchung, die die Kasse bezahlt? Welche Früherkennung die Kasse dir zahlt und welche du schon genutzt hast, zeigt der Krebsvorsorge-Check.

Frag außerdem bei deiner Krankenkasse nach, bevor du zahlst. Manche Kassen übernehmen freiwillig Kosten für bestimmte IGeL oder bieten Zusatzversicherungen dafür an [2]. Bereits privat bezahlte Leistungen erstattet die Kasse im Nachhinein nicht [1, 11]. Bist du privat versichert, ist auch dort die Übernahme nicht automatisch sicher; die Verbraucherzentrale rät, vorher bei der Versicherung nachzufragen und auf einer schriftlichen Vereinbarung zu bestehen [11].

Rechnung, Steuer und Beschwerde

Nach der Behandlung bekommst du eine Rechnung, die sich an der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) orientiert und die einzelnen Leistungen aufführt. Pauschal- und Erfolgshonorare sind laut Verbraucherzentrale unzulässig. Zahlst du bar, lass dir eine Quittung geben [11]. Bei IGeL sind Praxen nicht an die einfachen Sätze der Gebührenordnung gebunden: Sie dürfen den 2,3-fachen Satz oder bis zum 3,5-fachen Höchstsatz berechnen, wenn Schwierigkeit und Zeitaufwand der Leistung das rechtfertigen [2]. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass du die Kosten in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung angeben kannst [11].

Paar in den Fünfzigern sortiert am Küchentisch Unterlagen in farbige Ordner
Bild: KI-generiert

Hast du den Eindruck, dass dir eine Leistung aufgedrängt wurde oder die Aufklärung fehlte, kannst du dich an deine Krankenkasse wenden, an eine Patientenberatungsstelle oder an die Verbraucherzentrale, die dafür ein Beschwerdeformular hat [11]. Das Bundesgesundheitsministerium nennt außerdem die Ärztekammer als Ansprechpartnerin [2].

Wo du unabhängige Informationen findest

Für einzelne Angebote ist der IGeL-Monitor die erste Anlaufstelle. Er stellt zu vielen Leistungen ein Merkblatt für das Praxisgespräch bereit, das Nutzen, Schaden und übliche Kosten auf einer Seite zusammenfasst [7, 9]. Daneben nennt das Bundesgesundheitsministerium die Unabhängige Patientenberatung, die zu rechtlichen Fragen und Patientenrechten berät, und das Portal IGeL-Ärger der Verbraucherzentralen [2]. Ob eine Untersuchung für dich sinnvoll ist, kannst du am Ende nur selbst entscheiden. Eine gute Grundlage dafür sind die Zahlen aus diesen Quellen und ein Gespräch, in dem du deine Fragen ohne Zeitdruck stellen kannst.

Frau in den Vierzigern sitzt am Schreibtisch am Fenster und hört am Telefon aufmerksam zu
Bild: KI-generiert
  1. Organisation Was sind Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)?. Verbraucherzentrale Bundesverband. Stand 15.07.2025. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 26.09.2025. abgerufen am 28.10.2026
  3. Studie IGeL-Markt in Deutschland. Ergebnisse der Repräsentativbefragung gesetzlich Krankenversicherter (IGeL-Report 2024). Blume J, Drews M, Kalinowski I (aserto) im Auftrag des Medizinischen Dienstes Bund. Stand 03.12.2024. abgerufen am 28.10.2026
  4. Organisation Wissenschaftliche Bewertung von individuellen Gesundheitsleistungen. Verbraucherzentrale Bundesverband. Stand 15.07.2025. abgerufen am 28.10.2026
  5. Behörde Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. Stand 18.11.2020. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. Stand 06.04.2017. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Merkblatt für Ihr Praxisgespräch: Augenspiegelung mit Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung. Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. Stand 04.02.2025. abgerufen am 28.10.2026
  8. Behörde IGeL-Monitor bewertet Ultraschall und MRT zur Früherkennung von Brustkrebs mit "unklar" (Pressemitteilung). Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. Stand 26.06.2025. abgerufen am 28.10.2026
  9. Behörde Merkblatt für Ihr Praxisgespräch: M2-PK-Test zur Früherkennung von Darmkrebs. Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. Stand o. D.. abgerufen am 28.10.2026
  10. Gesetz Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 630c Mitwirkung der Vertragsparteien; Informationspflichten. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  11. Organisation IGeL: 10 Tipps für Patient:innen. Verbraucherzentrale Bundesverband. Stand 15.07.2025. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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