Ratgeber

Blutdruck messen: So bekommst du zu Hause verlässliche Werte

Zum Blutdruckmessen setzt du dich aufrecht hin, ruhst mindestens fünf Minuten und legst die Manschette am freien Oberarm etwa 2 bis 3 Zentimeter über der Ellenbeuge an, der Arm liegt auf Herzhöhe. Gemessen wird morgens und abends je zweimal mit 1 bis 2 Minuten Abstand. Liegt der Mittelwert über sieben Tage bei 135 zu 85 mmHg oder darüber, sprechen die Leitlinien von Bluthochdruck.

Blutdruck messen kannst du gut selbst zu Hause, wenn du ein paar Regeln einhältst. Der Wert schwankt im Lauf des Tages, und schon Bewegung, Kaffee oder ein Gespräch während der Messung verschieben ihn. Diese Seite erklärt nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Hypertonie, der europäischen Leitlinie von 2024 und den Hinweisen der Deutschen Hochdruckliga, wie du dich vorbereitest, wie oft du misst und wie du die Zahlen liest. Einordnen kannst du deine Werte danach mit dem Rechner Blutdruck einordnen.

Warum Messen zu Hause sinnvoll ist

Ein zu hoher Blutdruck macht meist keine Beschwerden. Nach dem Gesundheitsportal des Bundes wissen etwa 15 Prozent der Erwachsenen mit Bluthochdruck nichts davon [5]. Messen ist der einzige Weg, ihn zu entdecken. Weil der Blutdruck schwankt, reicht eine einzelne Messung nicht. Das Portal rät, mehrmals hintereinander zu messen, in der Praxis oder zu Hause [5].

Frau in den Fünfzigern sitzt morgens im Wohnzimmer am Tisch und misst mit einer Oberarmmanschette
Bild: KI-generiert

Wer wegen Bluthochdruck behandelt wird, sollte nach dem Patientenblatt der NVL regelmäßig selbst messen. So lässt sich prüfen, ob der vereinbarte Zielwert erreicht ist [1]. Auch bei der Diagnose hilft die Heimmessung. Bleibt nach einer Messung in der Praxis der Verdacht auf Bluthochdruck, empfiehlt die NVL zuerst eine Langzeitmessung über 24 Stunden. Ist sie nicht verfügbar oder möchtest du sie nicht, soll eine Heimmessung mit einem geprüften Gerät folgen, in das du eingewiesen wurdest [2].

Die Regeln auf einen Blick

SchrittWas du tustBeleg
Vorher30 Minuten keine Anstrengung, kein Kaffee, keine Zigarette[3]
Ruhemindestens 5 Minuten aufrecht sitzen, beide Füße auf dem Boden[1, 2]
Manschetteam freien Oberarm, 2 bis 3 cm über der Ellenbeuge, zwei Finger passen darunter[1]
Armleicht gebeugt und entspannt auf Herzhöhe ablegen, etwa auf einem Tisch[1, 4]
Während der Messungnormal atmen, nicht bewegen, nicht sprechen, nicht husten[1]
Wie oftmorgens und abends je zwei Messungen mit 1 bis 2 Minuten Abstand[1, 2]
AuswertungMittelwert aller Messungen über sieben Tage[2]

Vorbereitung, Haltung und Manschette

Die europäische Leitlinie rät, in den 30 Minuten vor der Messung auf Sport und auf anregende Mittel wie Koffein und Tabak zu verzichten [3]. Dann setzt du dich aufrecht hin und stellst beide Beine locker nebeneinander auf den Boden. Der Oberarm sollte frei von Kleidung sein, damit kein Blutstau entsteht.

Mann in den Sechzigern ruht im Sessel, die Füße flach am Boden, daneben liegt eine Manschette
Bild: KI-generiert

Die Manschette legst du nach dem Patientenblatt der NVL etwa 2 bis 3 Zentimeter oberhalb der Ellenbeuge an. Sie sitzt richtig, wenn sich Zeige- und Mittelfinger gerade noch darunter schieben lassen. Den Arm legst du leicht gebeugt und entspannt auf Höhe deines Herzens ab, zum Beispiel auf einem Tisch. Danach ruhst du mindestens fünf Minuten, bevor du die Messung startest. Während das Gerät misst, atmest du normal weiter und sprichst, hustest oder bewegst dich nicht [1].

Die Größe der Manschette muss zum Oberarm passen. Die Deutsche Hochdruckliga schreibt, dass sehr muskulöse Arme manchmal eine konisch geformte Manschette brauchen [4]. Die europäische Leitlinie gibt genaue Maße vor: Die aufblasbare Innenhülle soll 75 bis 100 Prozent des Armumfangs lang und 35 bis 50 Prozent breit sein [3]. Welche Größe zu deinem Arm passt, steht in der Gebrauchsanweisung deines Geräts [1].

Welcher Arm und wie oft

Beim ersten Mal misst du an beiden Armen. Ist der Wert an einem Arm höher, nimmst du künftig immer diesen Arm [1, 5]. Unterscheidet sich der obere Wert zwischen den Armen um mehr als 10 mmHg, kann das nach der europäischen Leitlinie auf eine Verengung einer Arterie hinweisen, die eine Abklärung braucht [3]. Sag das deiner Praxis, wenn es bei dir so ist.

In der Regel misst du morgens und abends, jeweils zweimal mit 1 bis 2 Minuten Abstand. Das sind vier Messungen am Tag. Damit du die Werte vergleichen kannst, misst du ungefähr zur selben Uhrzeit [1]. Für die Diagnose bildet die NVL den Mittelwert aller Messungen über sieben Tage [2]. Die europäische Leitlinie verlangt mindestens drei und bis zu sieben Tage. Liegt der Mittelwert nach drei Tagen nahe an der Grenze, misst du die vollen sieben Tage [3].

Wie oft du später misst, hängt von deiner Lage ab. Nach dem NVL-Patientenblatt sind regelmäßige Messungen vor allem in den ersten 4 bis 6 Wochen wichtig, nachdem du ein neues Medikament oder eine neue Dosis bekommen hast. Außerdem sind tägliche Messungen etwa eine Woche vor jedem ärztlichen Kontrolltermin ratsam [1]. Die Deutsche Hochdruckliga nennt als Rhythmus für die Dauer eine Woche im Monat mit Messungen morgens und abends [4]. Schreib die Werte mit Datum und Uhrzeit auf und nimm die Liste zum Termin mit.

Oberarm, Handgelenk oder Uhr

Geräte für den Oberarm sind nach der Deutschen Hochdruckliga der empfohlene Standard. Geräte für das Handgelenk lassen sich nutzen, reagieren aber stark auf die Haltung des Arms [4]. Das Patientenblatt der NVL beschreibt nur die Messung am Oberarm [1]. Uhren und Armbänder, die ohne Manschette messen, rät die Hochdruckliga ab, weil ihre Genauigkeit nicht ausreichend belegt ist. Für den Verlauf über die Zeit können sie nützlich sein [4].

Entscheidend ist, dass das Gerät klinisch geprüft ist. Die europäische Leitlinie nennt das eine Voraussetzung für jede Blutdruckmessung [3]. Das NVL-Patientenblatt nennt das Prüfsiegel der Hochdruckliga als Hinweis auf die Qualität eines Geräts [1]. Die Hochdruckliga betont, dass das Gerät validiert sein muss, und sieht Prüfsiegel als Orientierung bei der Auswahl [4]. Bei Bluthochdruck kann dir die Praxis ein Messgerät verordnen. Das Rezept löst du in der Apotheke oder im Sanitätshaus ein, meist zahlst du trotzdem etwas dazu [1]. Lass dir in der Apotheke zeigen, wie dein Gerät funktioniert, und übe dort. Dort kannst du den Blutdruck auch messen lassen [1].

Viele Geräte zeigen zusätzlich an, wenn das Herz unregelmäßig schlägt. Notiere das und zeig es beim nächsten Arztbesuch [1].

Die Werte richtig lesen

Das Gerät zeigt zwei Blutdruckwerte und den Puls an [1]. Die obere Zahl ist der systolische, die untere der diastolische Wert. Zu Hause sind die Werte in der Regel etwas niedriger als in der Arztpraxis, weil die meisten Menschen dort weniger aufgeregt sind [1]. Deshalb gelten für die Heimmessung niedrigere Grenzen. Nach NVL und europäischer Leitlinie spricht man ab einem Mittelwert von 135 zu 85 mmHg von Bluthochdruck, in der Praxis ab 140 zu 90 [2, 3]. Erreicht einer der beiden Werte die Grenze oder liegt darüber, reicht das.

Unter 135 zu 85 unterscheidet die Leitlinie von 2024 noch zwei Bereiche. Ein Mittelwert unter 120 zu 70 gilt als nicht erhöht, alles darüber bis unter 135 zu 85 als erhöht [3]. Erhöht ist dabei eine eigene Kategorie unterhalb des Bluthochdrucks.

Manche Menschen haben in der Praxis deutlich höhere Werte als zu Hause, bei anderen ist es umgekehrt. Die Deutsche Hochdruckliga nennt das Praxishypertonie und Praxisnormotonie [4]. Messungen zu Hause und über 24 Stunden können beides aufdecken. Den zweiten Fall, einen unauffälligen Praxiswert bei zu hohem Druck im Alltag, findet man nach der europäischen Leitlinie häufiger bei Männern, bei Menschen, die rauchen oder viel Alkohol trinken, und bei Diabetes oder Adipositas [3].

Messung in der Praxis und über 24 Stunden

In der Praxis misst man nach der NVL nach mindestens fünf Minuten Ruhe dreimal am Oberarm mit zwei Minuten Abstand und nimmt den Mittelwert der zweiten und dritten Messung [2]. Bei der Langzeitmessung trägst du einen Tag und eine Nacht lang ein Gerät, das in Abständen automatisch misst. Hier liegt die Grenze für Bluthochdruck beim Mittelwert über 24 Stunden bei 130 zu 80, tagsüber bei 135 zu 85 und nachts bei 120 zu 70 [2]. Ein einzelner unauffälliger Praxiswert drei bis vier Wochen später soll nach der NVL nicht allein ausreichen, um Bluthochdruck auszuschließen [2].

Ärztin in den Dreißigern legt einem Mann in den Vierzigern in der Praxis die Oberarmmanschette an
Bild: KI-generiert

Wird dir beim Aufstehen schwindelig, kann die Praxis auch im Stehen messen. Die europäische Leitlinie beschreibt dafür eine Messung nach fünf Minuten Ruhe und dann eine und/oder drei Minuten nach dem Aufstehen. Fällt der Druck dabei um 20 zu 10 mmHg oder mehr, spricht man von einem Blutdruckabfall im Stehen [3].

Ab 35 Jahren zahlt die gesetzliche Krankenkasse alle drei Jahre einen Check-up, zu dem die Blutdruckmessung gehört, zwischen 18 und 34 Jahren einmal [8]. Was dort sonst noch untersucht wird, erklärt der Ratgeber Check-up 35. Welche weiteren Risikofaktoren bei dir eine Rolle spielen, zeigt der Herz-Kreislauf-Check.

Wann du ärztliche Hilfe brauchst

Liegen deine Mittelwerte zu Hause bei 135 zu 85 oder darüber, bring deine Liste in die Hausarztpraxis. Dort wird geklärt, ob ein Bluthochdruck vorliegt und was zu tun ist. Gegen erhöhte Werte nennt das Gesundheitsportal des Bundes Abnehmen bei Übergewicht, weniger Salz, wenig oder keinen Alkohol, einen Rauchstopp und mehr Bewegung. Medikamente kommen in Frage, wenn das nicht möglich ist oder nicht reicht [5]. Wie Ausdauertraining dabei hilft, beschreibt der Ratgeber Training für Herz und Kreislauf.

Werte über 180 zu 110 ohne Beschwerden nennt die NVL eine hypertensive Entgleisung. Sie empfiehlt, nach etwa 30 Minuten in Ruhe erneut zu messen [2]. Treten zu so hohen Werten akute Beschwerden auf, etwa Atemnot in Ruhe oder Zeichen eines Schlaganfalls, ist das nach der NVL ein Notfall, der sofort ins Krankenhaus gehört [2].

  1. Leitlinie Bluthochdruck: Wie messe ich meinen Blutdruck richtig? Patientenblatt zur NVL Hypertonie. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF). Stand 2024. abgerufen am 28.10.2026
  2. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Kurzfassung, Version 1.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-009). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand 29.06.2023. abgerufen am 28.10.2026
  3. Leitlinie 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal 45(38):3912 bis 4018. Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Stand 30.08.2024. abgerufen am 28.10.2026
  4. Fachgesellschaft Blutdruckmessung. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL. Stand ohne Datum. abgerufen am 28.10.2026
  5. Behörde Bluthochdruck. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (mit IQWiG). Stand 05.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde Herzinfarkt. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 28.08.2020. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Schlaganfall. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 16.12.2022. abgerufen am 28.10.2026
  8. Behörde Gesundheits-Check-up. Bundesministerium für Gesundheit. Stand 08.09.2026. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

Passt dazu

  • Ratgeber Cholesterinwerte verstehen

    Cholesterin-Werte verstehen: was LDL, HDL, Non-HDL und Triglyceride sind, wie das IQWiG sie einordnet und warum Leitlinien …

  • Ratgeber Diabetes früh erkennen

    Diabetes-Anzeichen wie Durst und häufiges Wasserlassen kommen oft spät.

  • Ratgeber Zahnvorsorge

    Zahnvorsorge und Kasse: Kontrolle zweimal im Jahr, Zahnstein jährlich, Parodontitis-Check alle zwei Jahre, Bonusheft und was …

  • Tests Herz-Kreislauf-Vorsorge

    Herz-Kreislauf-Check zur Vorsorge: 10 Fragen zu Blutdruck, Blutfetten, Blutzucker, Familie und Check-up zeigen, wo du …