Ratgeber

Prostata-Vorsorge: Was Tastuntersuchung und PSA-Test leisten

Zur gesetzlichen Prostata-Vorsorge gehört ab 45 eine jährliche Tastuntersuchung der Prostata, von der Fachgesellschaften inzwischen abraten. Der PSA-Test ist keine Kassenleistung, als Selbstzahlerleistung kostet er laut IQWiG 25 bis 35 Euro. Von 1.000 Männern zwischen 55 und 69, die 16 Jahre lang teilnehmen, bleiben etwa 3 Metastasen und der Tod durch Prostatakrebs erspart, bis zu 60 erhalten eine Überdiagnose.

Die gesetzliche Prostata-Vorsorge beginnt mit 45 Jahren: Einmal im Jahr tastet die Ärztin oder der Arzt die Prostata über den Enddarm ab [1]. Fachgesellschaften raten von dieser Tastuntersuchung zur Früherkennung inzwischen ab und empfehlen ein Vorgehen mit dem PSA-Test, das sich am persönlichen Risiko orientiert [2, 3]. Den PSA-Test zahlt die Kasse zur Früherkennung aber nicht, er ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) [2]. Diese Seite erklärt, was beide Untersuchungen leisten, welche Zahlen es zu Nutzen und Schaden gibt und was der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) gerade prüft. Stand ist der 28.10.2026.

Prostatakrebs: Wie häufig er ist und wen er trifft

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Im Jahr 2020 erkrankten in Deutschland knapp 66.000 Männer daran. Die meisten sind bei der Diagnose zwischen 70 und 80 Jahre alt, vor dem 50. Lebensjahr ist die Erkrankung vergleichsweise selten [2]. Das Risiko steigt mit dem Alter, weil sich in den Drüsenzellen der Prostata mit den Jahren Veränderungen im Erbgut ansammeln. Ist ein Verwandter ersten Grades betroffen, also Vater oder Bruder, ist das eigene Risiko höher. Dann kannst du dich schon vor 45 über die Früherkennung informieren [2].

Mann in den Sechzigern geht an einem Herbstmorgen mit seinem Hund über einen Feldweg
Bild: KI-generiert

Im frühen Stadium und oft auch später macht Prostatakrebs selten Beschwerden [2]. Manche Tumoren wachsen so langsam, dass sie zeitlebens keine Beschwerden machen würden. Findet ein Test sie trotzdem, spricht man von einer Überdiagnose [4, 6].

Was die Kasse ab 45 bezahlt

BestandteilWie oftBeleg
Gespräch über Beschwerden und Veränderungenjährlich ab 45[1]
Untersuchung des äußeren Genitalsjährlich ab 45[1]
Abtasten der Prostata über den Enddarmjährlich ab 45[1]
Abtasten der Lymphknoten in der Leiste und Besprechung des Befundsjährlich ab 45[1, 3]
PSA-Test und weitere Abklärungnur bei Krebsverdacht[3]
PSA-Test zur Früherkennung ohne Verdachtkeine Kassenleistung[2, 4]

Die Tastuntersuchung: einfach, aber wenig verlässlich

Bei der Tastuntersuchung führt die Ärztin einen Finger in den Enddarm ein und tastet die Prostata ab. Für dich ist sie kostenlos [1]. Ihr Nutzen ist allerdings fraglich. Laut Krebsinformationsdienst gibt es keinen Beleg, dass regelmäßiges Abtasten die Sterblichkeit senkt. In Studien entdeckte die Untersuchung nur etwa einen von drei vorhandenen Tumoren, und was sie findet, sind meist schon größere Tumoren [3]. Umgekehrt ist nicht jede tastbare Veränderung Krebs, was zu belastendem falschem Alarm führen kann [3]. Die Verbraucherzentrale schreibt, dass die Tastuntersuchung meist nicht ausreicht, um Prostatakrebs sicher auszuschließen [6].

Deshalb raten Fachgesellschaften davon ab, die Tastuntersuchung zur Früherkennung zu nutzen [2, 3]. Im gesetzlichen Angebot ist sie trotzdem weiter enthalten [1, 7]. Das Gespräch beim jährlichen Termin kannst du unabhängig davon nutzen, um Beschwerden und Veränderungen anzusprechen [1].

Der PSA-Test: was er misst und was er kostet

Beim PSA-Test wird im Blut die Menge des prostataspezifischen Antigens bestimmt [2]. Ein erhöhter Wert kann ein Hinweis auf Krebs sein. Er kann aber auch von einem Harnwegsinfekt, einer Prostataentzündung, einer gutartigen Vergrößerung der Prostata, von Druck auf die Prostata etwa beim Radfahren oder von körperlicher Anstrengung kommen [6]. Auch eine Tast- oder Ultraschalluntersuchung kann den Wert vorübergehend erhöhen [4].

Zur Früherkennung bezahlst du den Test selbst. Laut Gesundheitsportal des IQWiG kostet er 25 bis 35 Euro, mit Aufklärungsgespräch und ergänzenden Untersuchungen etwa 60 Euro. Eine MRT der Prostata zahlt die Kasse in diesem Fall normalerweise ebenfalls nicht [4]. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund bewertet den PSA-Test zur Früherkennung mit "tendenziell negativ": Er sieht Hinweise auf einen Nutzen und Belege für einen Schaden, der nach seiner Abwägung etwas schwerer wiegt. Wie jemand beides gewichtet, muss jeder Mann selbst entscheiden [5]. Worauf du bei Selbstzahlerangeboten allgemein achten kannst, steht im Ratgeber IGeL-Leistungen.

Nutzen und Schaden in Zahlen

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die Studien ausgewertet und rechnet mit 1.000 Männern zwischen 55 und 69 Jahren, die 16 Jahre lang am PSA-Screening teilnehmen. Die Zahlen sind Schätzungen aus einer großen europäischen Studie, in der andere PSA-Grenzwerte verwendet wurden als in Deutschland üblich [4].

Von 1.000 Männern mit PSA-Screening über 16 JahreAnzahlBeleg
bleiben Metastasen und der Tod durch Prostatakrebs erspartetwa 3[4]
haben einen erhöhten PSA-Wert, die meisten lassen sich Gewebe aus der Prostata entnehmenetwa 380[4]
davon kein Krebs in der Gewebeprobe (falscher Alarm)etwa 250[4]
davon Krebsdiagnoseetwa 130[4]
davon Überdiagnosenbis zu 60[4]

Bei etwa 2 von 100 Gewebeentnahmen kommt es zu einer Komplikation, zum Beispiel einer Infektion, und manche Männer müssen dann ins Krankenhaus. Nach einer Biopsie können vorübergehend Blut im Urin oder Sperma, Probleme beim Wasserlassen und Erektionsprobleme auftreten [4]. Eine Überdiagnose bedeutet, dass ein Krebs gefunden wird, der ohne Test nie aufgefallen wäre. Wird er behandelt, drohen ohne Nutzen mögliche Folgen wie Inkontinenz und Erektionsstörungen [4]. Wird Krebs gefunden, kommen je nach Tumor aktive Überwachung, Bestrahlung oder Operation infrage, in der Regel zunächst die aktive Überwachung [4].

Andere Auswertungen kommen zu ähnlichen Größenordnungen. Der IGeL-Monitor stützt sich vor allem auf die europäische ERSPC-Studie, in der sich Männer von 55 bis 69 alle vier Jahre testen ließen. Danach bewahrt der Test innerhalb von 13 Jahren etwa 1 von 1.000 Männern vor dem Tod durch Prostatakrebs, während etwa 30 von 1.000 zusätzlich die Diagnose Prostatakrebs erhalten [5]. 2020 kam das IQWiG im Auftrag des G-BA zu dem Schluss, dass der Nutzen des PSA-Screenings den Schaden nicht aufwiegt [8].

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass von fünf großen Studien nur zwei einen Schutz vor dem Tod durch Prostatakrebs zeigten, während alle fünf auch Tumoren fanden, die wohl nie Beschwerden gemacht hätten [6]. Für das risikoangepasste Vorgehen nennt der Krebsinformationsdienst eigene Zahlen: Bei einem niedrigen Ausgangswert brauchen 9 von 10 Männern fünf Jahre lang keinen weiteren Test. Etwa eine von vier Gewebeproben bleibt trotz erhöhtem PSA-Wert ohne Befund, und wer einen Wert zwischen 1,5 und 3 ng/ml hat, muss alle zwei Jahre wieder zum Test, was zusätzlich belasten kann [3]. Ob ein risikoangepasstes Vorgehen das Verhältnis von Nutzen und Schaden verbessert, müssen laut IQWiG erst Studien zeigen [8].

Was Fachgesellschaften heute empfehlen

Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfehlen ein risikoangepasstes Vorgehen auf Grundlage des PSA-Tests. Der Krebsinformationsdienst nennt als Empfehlung der Fachleute: Nach ausführlicher Aufklärung beginnt die Früherkennung mit 45, auch bei Prostatakrebs in der Familie. Männer mit einer bekannten Veränderung in den Genen BRCA2, MSH2 oder MSH6 sollen schon ab 40 beginnen und zusätzlich eine Risikosprechstunde aufsuchen [3]. Wie oft der Test wiederholt wird, richtet sich nach dem Wert: unter 1,5 ng/ml alle fünf Jahre, von 1,5 bis 2,99 ng/ml alle zwei Jahre. Ab 3 ng/ml wird der Wert innerhalb von drei Monaten kontrolliert, bestätigt er sich, folgt eine urologische Untersuchung, und die Urologin oder der Urologe entscheidet über eine MRT [3]. Laut Verbraucherzentrale ist das Angebot für Männer mit einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren gedacht, und vor der ersten Gewebeprobe soll eine MRT stehen, um unnötige Eingriffe zu vermeiden [6].

Nicht alle Fachleute sehen das gleich. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist kritischer und rät Hausärztinnen und Hausärzten, Männer ohne eigenen Wunsch nicht aktiv auf den Test anzusprechen [6].

Was der G-BA gerade prüft

Am 16.10.2025 hat der G-BA ein Bewertungsverfahren für ein risikoangepasstes Früherkennungsangebot mit PSA-Wert und MRT gestartet. Geprüft wird ein Angebot, das PSA-Wert und MRT kombiniert. Der G-BA hofft auf Studien, die zeigen, dass sich mit einer zusätzlichen MRT-Abklärung Überdiagnosen und falsch positive Befunde verringern lassen. Bisher ist das eine Erwartung [7]. Das IQWiG wertet dafür die Studien aus, ein Ergebnis erwartet der G-BA spätestens im Oktober 2027. Bis dahin bleibt der PSA-Test zur Früherkennung eine Selbstzahlerleistung [2, 4, 7].

Bevor du dich für einen PSA-Test entscheidest

Ob du den Test machen lässt, ist eine persönliche Entscheidung, für die es Gründe dafür und dagegen gibt. Die Verbraucherzentrale rät, sich vorher Zeit zu nehmen und mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, was ein erhöhter Wert für dich bedeuten würde. Ein Test ist laut Verbraucherzentrale für Männer gedacht, die bei einem auffälligen Wert auch zu einer Gewebeprobe bereit wären, denn eine endgültige Aussage ist erst anhand einer Gewebeentnahme möglich [6]. Beraten können dich die Hausarztpraxis und die Urologie [2]. Frag auch, was nach einer Krebsdiagnose infrage käme: Je nach Tumor sind das Operation, Bestrahlung, Hormontherapie oder abwartende Beobachtung [6]. Was Früherkennung allgemein leisten kann, erklärt der Ratgeber Was ein Screening kann und was nicht.

Mann um die fünfzig sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Urologin gegenüber und hört zu
Bild: KI-generiert

Wann du nicht auf die Vorsorge warten solltest

Früherkennung ist für Männer ohne Beschwerden gedacht. Das Gesundheitsportal des Bundes nennt als mögliche Anzeichen von Prostatakrebs Probleme beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen oder einen Harnverhalt, Knochenschmerzen, Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit, Schmerzen beim Samenerguss und Erektionsprobleme. Meist steckt eine andere Ursache dahinter, etwa eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Halten die Beschwerden mehrere Wochen an, geh in die Praxis [2]. Alle Vorsorgeuntersuchungen für Männer nach Alter stehen auf der Seite Männer-Vorsorge, deinen eigenen Stand bei Lebensstil und Früherkennung zeigt der Krebsvorsorge-Check.

  1. Behörde Krebsfrüherkennung: Früherkennungsuntersuchungen, die von den gesetzlichen Kassen erstattet werden. Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Stand 03.09.2026. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Prostatakrebs. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit. Stand 14.10.2025. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Prostatakrebs: Früherkennung und PSA-Wert. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum. Stand 16.07.2025. abgerufen am 28.10.2026
  4. Behörde Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 21.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
  5. Behörde PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor. Stand 06.04.2017. abgerufen am 28.10.2026
  6. Organisation PSA-Test zur Prostatakrebs-Früherkennung. Verbraucherzentrale Bundesverband, verbraucherzentrale.de. Stand 27.05.2025. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Früherkennung von Prostatakrebs: GBA prüft risikoabhängiges Angebot (Pressemitteilung). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand 16.10.2025. abgerufen am 28.10.2026
  8. Behörde Prostatakarzinom-Screening mittels PSA-Test (Projekt S19-01, Abschlussbericht und Pressemitteilung "PSA-Screening: Nutzen wiegt den Schaden nicht auf"). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand 02.06.2020. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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